(Stutt­gart) Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat soeben ent­schie­den, dass ein Kind, des­sen Rechts­an­spruch auf Ver­schaf­fung eines Kin­der­gar­ten­plat­zes nicht erfüllt wird, unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen einen Anspruch dar­auf hat, dass die Auf­wen­dun­gen der Eltern für sei­ne Unter­brin­gung in einer pri­va­ten Kin­der­ta­ges­stät­te ersetzt wer­den.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Erbrecht Micha­el Henn, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied der Deut­schen Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. (DANSEF) mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts (BVerwG) vom 12.09.2013 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. BVerwG 5 C 35.12.

Im Streit­fall ging es um den Ersatz der Auf­wen­dun­gen, die durch die Unter­brin­gung der damals zwei­jäh­ri­gen Toch­ter in der Kin­der­krip­pe einer pri­va­ten Eltern­in­itia­ti­ve von April bis Okto­ber 2011 ent­stan­den sind. Die Eltern lie­ßen die Toch­ter dort betreu­en, weil die beklag­te Stadt wäh­rend die­ser Zeit kei­nen Krip­pen­platz zur Ver­fü­gung stel­len konn­te. Das hier anwend­ba­re Kin­der­ta­ges­stät­ten­ge­setz Rhein­land-Pfalz sieht vor, dass Kin­der vom voll­ende­ten zwei­ten Lebens­jahr bis zum Schul­ein­tritt Anspruch auf Erzie­hung, Bil­dung und Betreu­ung im Kin­der­gar­ten haben. Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die Beklag­te ver­pflich­tet, die in dem genann­ten Zeit­raum ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen für die pri­va­te Kin­der­krip­pe in Höhe von ca. 2 200 € zu erstat­ten. Die­ses Urteil hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt im Ergeb­nis bestä­tigt. Die Beklag­te habe den nach Lan­des­recht bestehen­den und von der Mut­ter recht­zei­tig gel­tend gemach­ten Anspruch auf einen Kin­der­gar­ten­platz nicht erfüllt. Des­halb müs­se sie die Kos­ten des selbst beschaff­ten Ersatz­plat­zes in einer pri­va­ten Kin­der­krip­pe über­neh­men. Die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Revi­si­on der Beklag­ten hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ge­wie­sen.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat ohne Ver­stoß gegen Bun­des­recht ange­nom­men, dass im Fall der Nicht­er­fül­lung des lan­des­recht­li­chen Anspruchs auf Ver­schaf­fung eines Kin­der­gar­ten­plat­zes unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ein Anspruch auf Erstat­tung der Auf­wen­dun­gen für einen selbst­be­schaff­ten Platz besteht. Soweit das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt davon aus­ge­gan­gen ist, das Bun­des­recht sehe einen ent­spre­chen­den Anspruch vor und das Lan­des­recht fol­ge dem, ist dies nicht zu bean­stan­den. Der bun­des­recht­li­che Anspruch ergibt sich aus einer ent­spre­chen­den Anwen­dung des § 36a Abs. 3 Ach­tes Buch Sozi­al­ge­setz­buch. Die­ser ver­leiht einen Anspruch auf Auf­wen­dungs­er­satz, wenn bestimm­te Ansprü­che auf Jugend­hil­fe­leis­tun­gen nicht erfüllt wer­den. Der Anspruch auf Über­nah­me der erfor­der­li­chen Auf­wen­dun­gen setzt vor­aus, dass der Leis­tungs­be­rech­tig­te den Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe vor der Selbst­be­schaf­fung über den Bedarf recht­zei­tig in Kennt­nis gesetzt hat, die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung der Leis­tung vor­ge­le­gen haben und die Deckung des Bedarfs kei­nen zeit­li­chen Auf­schub gedul­det hat. Ob im vor­lie­gen­den Ein­zel­fall die Vor­aus­set­zun­gen des Erstat­tungs­an­spruchs vor­lie­gen, ent­zieht sich der revi­si­ons­ge­richt­li­chen Kon­trol­le, weil es sich inso­weit um die Anwen­dung von Lan­des­recht han­delt.

Henn riet, das zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. auch auf die Anwälte/ — innen in der DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., — www.dansef.de — ver­wies.

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