(Kiel)  Das Finanz­ge­richt (FG) Rhein­land-Pfalz hat soeben zu der ver­fah­rens­recht­li­chen Fra­ge Stel­lung genom­men, ob die Fami­li­en­kas­se gehin­dert ist, Kin­der­geld für einen Zeit­raum fest­zu­set­zen, für den die Gewäh­rung von Kin­der­geld bereits mit einem ergan­ge­nen Ableh­nungs­be­scheid ver­sagt wor­den ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent der Deut­schen Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. (DANSEF) mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Rhein­land-Pfalz vom 26.06.2012 zu sei­nem Urteil vom 4. Juni 2012 zum Kin­der­geld­recht (Az.: 5 K 2591/10).

m Streit­fall hat­te die Fami­li­en­kas­se der Klä­ge­rin mit­ge­teilt, dass ihre im April 1991 gebo­re­ne Toch­ter T in Kür­ze 18 Jah­re alt wer­de und dass des­halb die Kin­der­geld­zah­lun­gen mit dem Monat April 2009 enden wür­den. Eine Wei­ter­zah­lung sei mög­lich, wenn sich T z.B. noch in der Schul­aus­bil­dung befin­de. Dem Schrei­ben war ein Antrags­vor­druck bei­gefügt, den die Kl im April 2009 unter­zeich­ne­te und an die Fami­li­en­kas­se über­sand­te. Die Klä­ge­rin gab an, dass sich T noch bis Som­mer 2010 in Schul­aus­bil­dung befin­de, wor­auf die Fami­li­en­kas­se in einem wei­te­ren Schrei­ben ent­geg­ne­te, es feh­le noch die Schul­be­schei­ni­gung für die Zeit ab Mai 2009. Im Janu­ar 2010 wur­de der Antrag der Klä­ge­rin mit der (unzu­tref­fen­den) Begrün­dung abge­lehnt, dass die not­wen­di­gen Unter­la­gen nicht vor­ge­legt wor­den sei­en. Dar­auf hin bean­trag­te die Klä­ge­rin im August 2010 erneut Kin­der­geld und teil­te mit, dass die not­wen­di­gen Unter­la­gen bereits vor­lie­gen müss­ten. Mit Bescheid vom Sep­tem­ber 2010 wur­de dann Kin­der­geld für die Zeit ab Febru­ar 2010 fest­ge­setzt. Da der frü­he­re Antrag auf Kin­der­geld mit Bescheid vom Janu­ar 2010 abge­lehnt wor­den sei, kön­ne für die Zeit Mai 2009 bis ein­schließ­lich Janu­ar 2010 auch nicht nach­träg­lich Kin­der­geld fest­ge­setzt wer­den, weil der Ableh­nungs­be­scheid vom Janu­ar 2010 inso­weit eine zeit­li­che Sperr­wir­kung bis zum Zeit­punkt sei­nes Erge­hens — also Janu­ar 2010 — ent­fal­te.

Das emp­fand die Klä­ge­rin als unge­recht, weil mitt­ler­wei­le klar war, dass die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung von Kin­der­geld im Zeit­raum vom Mai 2009 bis Janu­ar 2010 vor­ge­le­gen hat­ten und das Kin­der­geld nur wegen der Sperr­wir­kung des Ableh­nungs­be­schei­des vom Janu­ar 2010 nicht rück­wir­kend gezahlt wer­den kön­ne.

Die Kla­ge, mit der die Klä­ge­rin vor­ge­tra­gen hat­te, sie hät­te die ver­lang­ten Schul­be­schei­ni­gun­gen sogar mehr­fach an die Fami­li­en­kas­se geschickt, sie habe sich mehr­fach tele­fo­nisch erkun­di­gen nach dem Sach­stand erkun­di­gen wol­len, was ihr jedoch nicht gelun­gen sei, weil stets neue Sach­be­ar­bei­ter zustän­dig gewe­sen sei­en, die nichts hät­ten sagen kön­nen, war erfolg­reich.

Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u.a. aus, so Pas­sau, Kin­der­geld sei auch für den Zeit­raum vom Mai 2009 bis Janu­ar 2010 zu gewäh­ren.

Es sei unstrei­tig, dass die Vor­aus­set­zun­gen zur Gewäh­rung von Kin­der­geld wegen des Schul­be­suchs der T vor­lä­gen. Die Fami­li­en­kas­se sei auch nicht aus ver­fah­rens­recht­li­chen Grün­den gehin­dert, für den o.g. Zeit­raum Kin­der­geld fest­zu­set­zen, weil sich die Bekannt­ga­be des die Sperr­wir­kung ent­fal­ten­den Beschei­des vom Janu­ar 2010 nicht fest­stel­len las­se. Im Zwei­fel habe die Behör­de den Zugang des Ver­wal­tungs­ak­tes und den Zeit­punkt des Zugangs nach­zu­wei­sen. Aus dem Bescheid­da­tum las­se sich nicht auf den Tag der Auf­ga­be zur Post schlie­ßen. Da sich die Auf­ga­be von Ver­wal­tungs­ak­ten zur Post im  Wis­sen- und Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Behör­de abspie­le, habe sie inso­weit die erfor­der­li­che Beweis­nä­he. Im Streit­fall ent­hal­te der Bescheid kei­nen Absen­de­ver­merk der Post­stel­le und auf Hin­weis des Gerichts, dass frag­lich sei, ob der Bescheid bekannt gege­ben wor­den sei, weil der Absen­de­ver­merk feh­le, habe sich die Beklag­te nicht geäu­ßert. Aus den Aus­füh­run­gen der Klä­ge­rin könn­ten Anhalts­punk­te für den Zugang nicht ent­nom­men wer­den. Das Gericht gehe nicht davon aus, dass die Klä­ge­rin den Zugang des Beschei­des (ver­se­hent­lich oder bewusst) nicht ange­ge­ben habe, denn ihre Aus­füh­run­gen im Übri­gen sei­en jeden­falls voll­stän­dig und wahr­heits­ge­mäß, bzw. glaub­haft. Damit ent­fal­te der Bescheid vom Janu­ar 2012 man­gels Bekannt­ga­be gegen­über der Klä­ge­rin kei­ne Wirk­sam­keit und ste­he somit der bean­trag­ten Kin­der­geld­fest­set­zung nicht ent­ge­gen.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig, die Revi­si­on wur­de nicht zuge­las­sen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen und/oder steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf die DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung  für Erb- und Fami­li­en­recht e. V —  www.dansef.de — ver­wies.

 

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