Strei­tig ist, ob Auf­wen­dun­gen für die Grab­pfle­ge als haus­halts­na­he Dienst­leis­tung nach § 35 a Ein­kom­men­steu­er­ge­setz (in der im Streit­jahr gel­ten­den Fas­sung -EStG) zu berück­sich­ti­gen sind.

Der Klä­ger mach­te in sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 2004 für die Pfle­ge des Gra­bes sei­ner ver­stor­be­nen Frau Auf­wen­dun­gen in Höhe von 1.770,00 € als haus­halts­na­he Dienst-leis­tun­gen gemäß § 35 a EStG gel­tend und bean­trag­te hier­für die Berück­sich­ti­gung einer Steu­er­ermä­ßi­gung in Höhe von 20 Pro­zent des gel­tend gemach­ten Betra­ges.

Das beklag­te Finanz­amt gewähr­te kei­ne Steu­er­ermä­ßi­gung, weil es die Auf­fas­sung ver­trat, dass die Grab­pfle­ge kei­ne im Pri­vat­haus­halt erbrach­te Leis­tung sei. Es wies den Ein­spruch als unbe­grün­det zurück und führ­te zur Begrün­dung wei­ter aus, dass für die Berück­sich­ti­gung haus­halts­na­her Dienst­leis­tun­gen nach § 35 a EStG Vor­aus­set­zung sei, dass die Dienst­leis­tung in einem inlän­di­schen Haus­halt aus­ge­übt oder erbracht wer­de, weil nach Sinn und Zweck des Geset­zes nur Tätig­kei­ten begüns­tigt sei­en, die im unmit­tel­ba­ren sach­li­chen und räum­li­chen Zusam­men­hang mit dem Haus­halt stün­den. Der unmit­tel­ba­re sach­li­che und räum­li­che Zusam­men­hang sei nur bei Tätig­kei­ten in der pri­va­ten Woh­nung, den Zube­hör­räu­men sowie bei Hof- und Gar­ten­ar­bei­ten gege­ben. Grab­pfle­ge­stät­ten befän­den sich jedoch grund­sätz­lich außer­halb des Pri­vat­haus­halts und des­halb sei die Grab­pfle­ge kei­ne Tätig­keit, die in einem unmit­tel­ba­ren räum­li­chen Zusam­men­hang mit dem Pri­vat­haus­halt ste­he.

Hier­ge­gen wen­det sich der Klä­ger mit der frist­ge­recht erho­be­nen Kla­ge. Er meint, dass die Grab­stel­le sehr wohl ein Teil des Pri­vat­haus­hal­tes sei, weil die Grab­pfle­ge eine Tätig­keit sei, die gewöhn­lich durch Mit­glie­der des pri­va­ten Haus­hal­tes erle­digt wer­de und in regel­mä­ßi­gen kür­ze­ren Abstän­den anfal­le. Der Beklag­te lege den Begriff des Pri­vat­haus­halts zu eng aus. Nach der Begriffs­be­stim­mung in dem Inter­net-Nach­schla­ge­werk “Wiki­pe­dia” sei ein Pri­vat­haus­halt nicht aus­schließ­lich ein räum­lich bestimm­ter, son­dern viel­mehr ein sozio­öko­no­mi­scher Begriff, unter dem man eine Grup­pe von Men­schen ver­ste­he, die sich als sozia­les Gebil­de auf die Siche­rung der gemein­sa­men Bedarfs­de­ckung aus­rich­te­ten. Er meint, dass der Gesetz­ge­ber und auch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen (BMF) in sei­nen zu § 35 a EStG erlas­se­nen Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen eine dahin­ge­hen­de Defi­ni­ti­on in ähn­li­cher Form unter­stellt hät­ten, weil sich weder im Gesetz noch in den Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen eine loka­le Begren­zung fin­de, son­dern jeweils auf die Bedarfs­de­ckung abge­stellt wer­de, die durch die Mit­glie­der des Pri­vat­haus­hal­tes geleis­tet wer­den kön­ne. Die hier­zu in den Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen bei­spiel­haft genann­ten Tätig­kei­ten sei­en aller­dings nicht abschlie­ßend, so dass die­se nicht den Aus­schluss der vom Klä­ger bezahl­ten und durch Drit­te erbrach­ten Leis­tun­gen begrün­den könn­ten.

Er trägt wei­ter vor, er sei seit dem Jah­re 2003 aus gesund­heit­li­chen Grün­den nicht mehr in der Lage, län­ge­re Gar­ten­ar­bei­ten aus­zu­üben und habe des­halb bereits im Jahr 2003 sei­nen Haus­gar­ten durch eine Gärt­ne­rei pfle­ge­leicht gestal­ten las­sen. Das Finanz­amt habe die hier­auf ent­fal­len­den Arbeits­kos­ten im Jahr 2003 als Kos­ten für haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen aner­kannt. Die Pfle­ge des Gra­bes ver­stor­be­ner Fami­li­en­mit­glie­der sei damit ver­gleich­bar, denn es gebe eine gesell­schaft­lich aner­kann­te sitt­li­che Ver­pflich­tung der Ange­hö­ri­gen des Haus­hal­tes, dem das ver­stor­be­ne Mit­glied in der Ver­gan­gen­heit ange­hört habe, das Grab des Ver­stor­be­nen in schö­ner und wür­di­ger Ver­fas­sung zu hal­ten. Es sei sozu­sa­gen die letz­te Tätig­keit für die­sen Ange­hö­ri­gen nach der Ver­sor­gung und Pfle­ge. Die steu­er­li­che Ungleich­be­hand­lung der Auf­wen­dun­gen für eine Hil­fe im Gar­ten und der Auf­wen­dun­gen für die Grab­pfle­ge ver­sto­ße sowohl gegen Sinn und Zweck des Geset­zes, als auch gegen die Gleich­be­hand­lung haus­halts­na­her Beschäf­ti­gun­gen und Dienst­leis­tun­gen.

Die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs im Urteil vom 1. Febru­ar 2007 (VI R 74/05, BFH/NV 2007,900) ste­he nicht im Wider­spruch zu sei­ner Auf­fas­sung, da die­se sich im Wesent­li­chen nur mit der Abgren­zung der hand­werk­li­chen Leis­tung zur haus­halts­na­hen Leis­tung befas­se. Es sei allein ent­schei­dend, ob die Leis­tung auch von Ange­hö­ri­gen des Haus­hal­tes erbracht wer­den kön­ne.

Der Klä­ger bean­tragt,
Der Beklag­te bean­tragt,
die Kla­ge abzu­wei­sen.
Der Beklag­te hält an sei­ner Auf­fas­sung fest, dass die Grab­stel­le kein Teil des Haus­halts sei und die Kos­ten der Grab­pfle­ge des­halb nicht als Auf­wen­dun­gen für eine haus­halts­na­he Dienst­leis­tung nach § 35 a EStG begüns­tigt sei­en. Zur Begrün­dung ver­weist er auf sei­ne Aus­füh­run­gen im Ein­spruchs­be­scheid.

Ent­schei­dungs­grün­de

Die Kla­ge ist unbe­grün­det.

Der Beklag­te hat die Auf­wen­dun­gen für die Grab­pfle­ge zutref­fend nicht als haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen steu­er­min­dernd im Rah­men des § 35 a EStG berück­sich­tigt. Nach die­ser Vor­schrift kann (im Streit­jahr) für die Inan­spruch­nah­me von haus­halts­na­hen Dienst­leis­tun­gen, die in einem inlän­di­schen Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen erbracht wer­den, die tarif­li­che Ein­kom­men­steu­er auf Antrag um 20 Pro­zent, höchs­tens jedoch 600,00 €, der Auf­wen­dun­gen der Steu­er­pflich­ti­gen ermä­ßigt wer­den, die nicht Betriebs­aus­ga­ben, Wer­bungs­kos­ten oder Auf­wen­dun­gen für eine gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gung im Sin­ne des § 8 des 4. Buches Sozi­al­ge­setz­buch dar­stel­len und soweit sie nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen berück­sich­tigt wor­den sind.

Unter dem Begriff des Haus­halts ist nach der Recht­spre­chung des BFH, der der Senat folgt, die Wirt­schafts­füh­rung meh­re­rer zusam­men­le­ben­der Per­so­nen oder einer ein­zel­ner Per­son zu ver­ste­hen; das Wirt­schaf­ten im Haus­halt umfasst Tätig­kei­ten, die für die Haus­hal­tung oder für die Haus­halts­mit­glie­der erbracht wer­den (vgl. BFH-Urtei­le vom 1. Febru­ar 2007 VI R 74/05, BFH/NV 2007,900 und VI R 77/05, BFHE 216,  526, BSt­Bl II 2007,760). Haus­wirt-schaft­li­che Tätig­kei­ten in die­sem Sin­ne sind sol­che, die übli­cher­wei­se zur Ver­sor­gung der in dem Haus­halt leben­den Fami­lie erbracht wer­den (BFH-Urteil vom 1. Febru­ar 2007 VI R 74/05, BFH/NV 2007,900).

Der Wort­laut des Geset­zes stellt auf die Erbrin­gung einer Dienst­leis­tung, also einer Tätig­keit, im Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen ab. Daher kommt es nicht nur dar­auf an, wie der Begriff des Haus­halts aus­zu­le­gen ist, son­dern auch dar­auf, wel­che Tätig­kei­ten unter den Begriff der dort erbrach­ten Dienst­leis­tung zu fas­sen sind. Der Senat ist in Über­ein­stim­mung mit der Recht­spre­chung des BFH und der Lite­ra­tur (BFH-Urteil vom 1. Febru­ar 2007 VI R 74/05, BFH/NV 2007,900 m.w.N. zur Lite­ra­tur) der Ansicht, dass die Ver­ord­nung über die Berufs­aus­bil­dung zum Hauswirtschafter/zur Haus­wirt­schaf­ter vom 30. Juni 1999, BGBl I 1999, 1495 (Hwirt­Aus­bV) eine geeig­ne­te Grund­la­ge zur Bestim­mung des Begriffs der haus-wirt­schaft­li­chen Tätig­keit ist. Das dort beschrie­be­ne Aus­bil­dungs­be­rufs­bild umfasst im Bereich der haus­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung im Wesent­li­chen die Spei­sen­zu­be­rei­tung und den Ser­vice, das Rei­ni­gen, Pfle­gen und Gestal­ten von Räu­men, die Rei­ni­gung und Pfle­ge von Tex­ti­li­en sowie die Vor­rats­hal­tung und Waren­wirt­schaft. Der wei­te­re Bereich der haus­wirt­schaft­li­chen Betreu­ungs­leis­tun­gen umfasst die Gesprächs­füh­rung und Beschäf­ti­gung der zu betreu­en­den Per­son und die Hil­fe­leis­tung bei All­tags­ver­rich­tun­gen (§§ 4, 9 Abs. 5 Hwirt­Aus­bV).
Weder die Gar­ten- noch die Grab­pfle­ge sind dem­nach Tätig­kei­ten, die zum Berufs­bild eines Hauswirtschafters/einer Haus­wirt­schaf­te­rin gehö­ren. Die­se sind daher auch nicht der haus­wirt­schaft­li­chen Tätig­keit im eigent­li­chen Sinn zuzu­ord­nen. Da die Tätig­keit der Grab­pfle­ge nach die­ser Begriffs­be­stim­mung kei­ne haus­wirt­schaft­li­che Tätig­keit ist, kommt es auch nicht dar­auf an, ob das Grab unter sozia­len Aspek­ten dem Haus­halt eines Steu­er­pflich­ti­gen zuge­rech­net wer­den kann.
Es kann dahin­ge­stellt blei­ben, ob für Tätig­kei­ten im Bereich der häus­li­chen Gar­ten­pfle­ge abwei­chend von die­ser Aus­le­gung aus ande­ren Grün­den die Steu­er­mä­ßi­gung nach
§ 35a EStG in Betracht kom­men kann, da der Senat nicht auch über die Kos­ten der Gar­ten­pfle­ge zu ent­schei­den hat. Die Grab­stel­le ist aber auch kein Teil des zum Haus­halt des Klä­gers gehö­ren­den Gar­tens. Zur Bestim­mung des Umfangs der im Sin­ne des
§ 35 a EStG zu Haus­halt gehö­ren­den Hof- und Gar­ten­flä­chen folgt das Gericht der Aus­le­gung, die der BFH für den in den §§ 10e, § 52 Abs. 15 S. 6,8 und 9 EStG ver­wen­de­ten Begriff ” zur Woh­nung gehö­ren­der Grund und Boden” ent­wi­ckelt hat, da die Füh­rung
eines Haus­halt begriff­lich auch das Inne­ha­ben einer Woh­nung vor­aus­setzt. Zur Woh­nung gehört danach aber grund­sätz­lich nur das Grund­stück, auf dem sich die Woh­nung befin­det (BFH-Urteil vom 20. August 1997, X R 127/94, BFHE 184, 322, BSt­Bl II 1998, 17). Die Grab­stel­le befin­det sich jedoch nicht auf dem Haus­grund­stück des Klä­gers. Aus den vor­ste­hen­den Grün­den konn­te die Kla­ge kei­nen Erfolg haben.

Die Kos­ten des Ver­fah­rens hat der Klä­ger als unter­le­ge­ne Par­tei nach § 135 Abs. 1 FGO zu tra­gen.

NIEDERSÄCHSISCHES FINANZGERICHT
URTEIL
vom
25.02.2009
Az.: 4 K 12315/06