(Nürn­berg) Nach einem Urteil des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts kön­nen Auf­wen­dun­gen für die Grab­pfle­ge nicht als haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen steu­er­min­dernd im Rah­men des § 35 a EStG berück­sich­tigt wer­den.

Dar­auf ver­weist der der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent der DANSEF — Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung  für Erb- und Fami­li­en­recht e. V mit Sitz in Nürn­berg, unter Hin­weis auf ein am 18.03.2009 ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts vom 25.02.2009 — AZ.: 4 K 12315/06).

Strei­tig war, ob Auf­wen­dun­gen für die Grab­pfle­ge als haus­halts­na­he Dienst­leis­tung nach § 35 a Ein­kom­men­steu­er­ge­setz (in der im Streit­jahr gel­ten­den Fas­sung ‑EStG) zu berück­sich­ti­gen sind.

Der Klä­ger mach­te in sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 2004 für die Pfle­ge des Gra­bes sei­ner ver­stor­be­nen Frau Auf­wen­dun­gen in Höhe von 1.770,00 € als haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen gemäß § 35 a EStG gel­tend und bean­trag­te hier­für die Berück­sich­ti­gung einer Steu­er­ermä­ßi­gung in Höhe von 20 Pro­zent des gel­tend gemach­ten Betra­ges.

Das beklag­te Finanz­amt gewähr­te kei­ne Steu­er­ermä­ßi­gung, weil es die Auf­fas­sung ver­trat, dass die Grab­pfle­ge kei­ne im Pri­vat­haus­halt erbrach­te Leis­tung sei. Es wies den Ein­spruch als unbe­grün­det zurück und führ­te zur Begrün­dung wei­ter aus, dass für die Berück­sich­ti­gung haus­halts­na­her Dienst­leis­tun­gen nach § 35 a EStG Vor­aus­set­zung sei, dass die Dienst­leis­tung in einem inlän­di­schen Haus­halt aus­ge­übt oder erbracht wer­de, weil nach Sinn und Zweck des Geset­zes nur Tätig­kei­ten begüns­tigt sei­en, die im unmit­tel­ba­ren sach­li­chen und räum­li­chen Zusam­men­hang mit dem Haus­halt stün­den. Der unmit­tel­ba­re sach­li­che und räum­li­che Zusam­men­hang sei nur bei Tätig­kei­ten in der pri­va­ten Woh­nung, den Zube­hör­räu­men sowie bei Hof- und Gar­ten­ar­bei­ten gege­ben. Grab­pfle­ge­stät­ten befän­den sich jedoch grund­sätz­lich außer­halb des Pri­vat­haus­halts und des­halb sei die Grab­pfle­ge kei­ne Tätig­keit, die in einem unmit­tel­ba­ren räum­li­chen Zusam­men­hang mit dem Pri­vat­haus­halt ste­he.

Hier­ge­gen wand­te sich der Klä­ger mit der Kla­ge. Er mein­te, dass die Grab­stel­le sehr wohl ein Teil des Pri­vat­haus­hal­tes sei, weil die Grab­pfle­ge eine Tätig­keit sei, die gewöhn­lich durch Mit­glie­der des pri­va­ten Haus­hal­tes erle­digt wer­de und in regel­mä­ßi­gen kür­ze­ren Abstän­den anfal­le. Außer­dem han­de­le es sich hier um eine sozia­le Ver­pflich­tung. Das Finanz­amt lege den Begriff des Pri­vat­haus­halts zu eng aus.

Damit, so Pas­sau, fand er jedoch auch vor dem Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richt kein Gehör. Die Kla­ge wur­de abge­wie­sen.

Unter dem Begriff des Haus­halts sei nach der Recht­spre­chung des BFH die Wirt­schafts­füh­rung meh­re­rer zusam­men­le­ben­der Per­so­nen oder einer ein­zel­ner Per­son zu ver­ste­hen; das Wirt­schaf­ten im Haus­halt umfas­se Tätig­kei­ten, die für die Haus­hal­tung oder für die Haus­halts­mit­glie­der erbracht wer­den. Haus­wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten in die­sem Sin­ne sei­en dabei sol­che, die übli­cher­wei­se zur Ver­sor­gung der in dem Haus­halt leben­den Fami­lie erbracht wer­den. Der Wort­laut des Geset­zes stel­le hier­bei auf die Erbrin­gung einer Dienst­leis­tung, also einer Tätig­keit, im „Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen” ab. Daher kommt es nicht nur dar­auf an, wie der Begriff des Haus­halts aus­zu­le­gen ist, son­dern auch dar­auf, wel­che Tätig­kei­ten unter den Begriff der dort erbrach­ten Dienst­leis­tung zu fas­sen sei­en.

Nach der Ver­ord­nung über die Berufs­aus­bil­dung zum Hauswirtschafter/zur Haus­wirt­schaf­te­rin vom 30. Juni 1999 umfass­ten die­se im Bereich der haus­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung im Wesent­li­chen die Spei­sen­zu­be­rei­tung und den Ser­vice, das Rei­ni­gen, Pfle­gen und Gestal­ten von Räu­men, die Rei­ni­gung und Pfle­ge von Tex­ti­li­en sowie die Vor­rats­hal­tung und Waren­wirt­schaft. Der wei­te­re Bereich der haus­wirt­schaft­li­chen Betreu­ungs­leis­tun­gen umfas­se die Gesprächs­füh­rung und Beschäf­ti­gung der zu betreu­en­den Per­son und die Hil­fe­leis­tung bei All­tags­ver­rich­tun­gen.

Weder die Gar­ten- noch die Grab­pfle­ge sei­en dem­nach Tätig­kei­ten, die zum Berufs­bild eines Hauswirtschafters/einer Haus­wirt­schaf­te­rin gehör­ten. Die­se sei­en daher auch nicht der haus­wirt­schaft­li­chen Tätig­keit im eigent­li­chen Sinn zuzu­ord­nen. Da die Tätig­keit der Grab­pfle­ge nach die­ser Begriffs­be­stim­mung kei­ne haus­wirt­schaft­li­che Tätig­keit sei, kom­me es auch nicht dar­auf an, ob das Grab unter sozia­len Aspek­ten — wie der Klä­ger vor­ge­tra­gen hat­te — dem Haus­halt eines Steu­er­pflich­ti­gen zuge­rech­net wer­den kön­ne. Dabei kön­ne auch dahin­ge­stellt blei­ben, ob für Tätig­kei­ten im Bereich der häus­li­chen Gar­ten­pfle­ge abwei­chend von die­ser Aus­le­gung aus ande­ren Grün­den die Steu­er­mä­ßi­gung nach § 35a EStG in Betracht kom­men kön­ne, da sich die Grab­stel­le hier nicht auf dem Haus­grund­stück des Klä­gers, son­dern außer­halb  befin­de. Die Grab­stel­le sei daher auch kein Teil des zum Haus­halt des Klä­gers gehö­ren­den Gar­tens.

Pas­sau riet, in ähn­li­chen Fäl­len steu­er­li­chen Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DANSEF — Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung  für Erb- und Fami­li­en­recht e. V — www.dansef.de -, in der bun­des­weit mehr als 700 auf Erbrecht, Erb­schaft­steu­er­recht und Schei­dungs­recht spe­zia­li­sier­te Rechts­an­wäl­te und Steu­er­be­ra­ter orga­ni­siert sind.

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