(Stutt­gart) Nach § 2057a BGB sind Leis­tun­gen, die ein Abkömm­ling dem Erb­las­ser gegen­über erbracht hat, zwi­schen den Abkömm­lin­gen — also nicht zulas­ten des über­le­ben­den Ehe­part­ners — aus­glei­chungs­pflich­tig. Bei­spiels­wei­se zäh­len hier­zu auch Leis­tun­gen, die durch Mit­ar­beit im elter­li­chen Haus­halt oder durch Pfle­ge des Erb­las­sers ent­stan­den sind.

Aber Vor­sicht, so der Müns­te­ra­ner Fach­an­walt für Steu­er- und Erbrecht Dr. Chris­toph Goez, Mit­glied in der Deut­schen Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. mit Sitz in Stutt­gart:

Kei­nes­wegs wird der län­ger leben­de Ehe­gat­te begüns­tigt, son­dern ledig­lich die Abkömm­lin­ge. Hin­ter­grund ist, dass der über­le­ben­de Ehe­gat­te schon sowohl im gesetz­li­chen Güter­stand der Zuge­winn­ge­mein­schaft (§ 1371 BGB) und bei der Güter­tren­nung (§1931 Abs. 4 BGB) einen pau­scha­len Aus­gleich erhält.

Das Aus­gleichs­recht für Abkömm­lin­ge ist hin­ge­gen umfas­send. Es trifft nicht nur den Fall, dass der Erb­las­ser wäh­rend län­ge­rer Zeit gepflegt wur­de oder die schon erwähn­te Mit­ar­beit im Haus­halt oder Geschäft geleis­tet wur­de, son­dern auch bei erheb­li­chen Geld­leis­tun­gen oder Bürg­schafts­über­nah­me oder Waren­lie­fe­run­gen. Der Ver­zicht auf ein eige­nes Ein­kom­men ist nicht erfor­der­lich.

Ins­be­son­de­re sind die Ein­nah­men aus der Pfle­ge­leis­tung nicht ein­kom­men­steu­er­pflich­tig (BFH, DStR 1999, S. 1807). Hin­ter­grund ist, dass die Leis­tun­gen des Abkömm­lings und die emp­fan­ge­nen Zah­lun­gen im Regel­fall im Rah­men der fami­liä­ren Lebens­ge­mein­schaft erbracht wer­den und damit nicht zur Erzie­lung von Ein­künf­ten im Sin­ne von § 2 EStG zäh­len.
Schwie­rig­kei­ten macht aller­dings das Gel­tend­ma­chen von Aus­gleichs­an­sprü­chen, weil Mit­er­ben die Häu­fig­keit und die Pfle­ge­in­ten­si­tät bestrei­ten. Drin­gend ist daher zu emp­feh­len, schon mit dem Erb­las­ser einen Pfle­ge­ver­trag abzu­schlie­ßen und dar­in den Umfang der Pfle­ge­leis­tung zu regeln.

• Wie voll­zieht sich sodann die Berech­nung der Aus­glei­chung für die Pfle­ge­leis­tung?

Grund­sätz­lich wird der Wert der Pfle­ge­leis­tung dem Nach­lass hin­zu­ge­rech­net. Sodann erhält der Abkömm­ling sei­ne Leis­tung vor­ab aus dem Nach­lass ver­gü­tet. Dadurch ver­min­dert sich für die übri­gen gesetz­li­chen Erben der noch zu ver­tei­len­de Nach­lass. Hier­zu fol­gen­des

• Bei­spiel:
Erb­las­ser Erich stirbt. Er hin­ter­lässt sei­ne Ehe­frau Freya (Zuge­winn­ge­mein­schaft) sowie den Sohn Sig­gi und die Toch­ter Til­la. Til­la hat Erich auf­op­fe­rungs­voll gepflegt. Der Wert des Net­to­nach­las­ses mag 500.000,00 EUR, der Wert der Pfle­ge 100.000,00 EUR betra­gen.

Von dem Net­to­nach­lass (500.000,00 EUR) ist zunächst der Erb­an­teil von Freya von 250.000,00 EUR abzu­zie­hen. Til­la erhält die Vor­aus­aus­schüt­tung von 100.000,00 EUR, so dass von dem Net­to­nach­lass noch 150.000,00 EUR ver­blei­ben. Der Erb­an­teil von Sig­gi und von Til­la beträgt somit je 75.000,00 EUR.

Eine Kon­troll­rech­nung ver­deut­licht die Rich­tig­keit die­ses Ergeb­nis­ses:

- Erb­teil Freya 250.000,00 EUR
- Anteil Til­la für Pfle­ge­leis­tung 100.000,00 EUR
- Erb­an­teil Til­la 75.000,00 EUR
- Erb­an­teil Sig­gi 75.000,00 EUR

Net­to­nach­lass 500.000,00 EUR

Häu­fig kommt es jedoch vor, dass nicht der Abkömm­ling, son­dern des­sen Ehe­part­ner, bei­spiels­wei­se die Schwie­ger­toch­ter, die Pfle­ge­leis­tung erbringt. Gera­de die­ser Fall ist aber nicht in § 2057 a BGB gere­gelt. Hier muss zwin­gend ein ent­spre­chen­der Pfle­ge­ver­trag zu Leb­zei­ten des Erb­las­sers geschlos­sen wer­den, betont Dr. Goez und emp­fiehlt, in Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. auch auf die bun­des­weit mehr als 800 auf Erbrecht, Erb­schaft­steu­er­recht und Schei­dungs­recht spe­zia­li­sier­ten Rechts­an­wäl­te und Steu­er­be­ra­ter der DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., www.dansef.de ver­wies.

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