(Stutt­gart) Seit der Neu­re­ge­lung des Unter­halts­rechts zum 1. Janu­ar 2008 wird unter Geschie­de­nen immer häu­fi­ger um eine Befris­tung oder Begren­zung der Unter­halts­an­sprü­che vor Gericht gestrit­ten.

Dabei , so der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Fami­li­en­recht Mar­tin Weis­pfen­ning, Vize­prä­si­dent und Geschäfts­füh­rer „Fami­li­en­recht” der Deut­schen Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. (DANSEF) in Stutt­gart, ver­fol­gen fast alle geführ­ten Rechts­strei­te das­sel­be Ziel: Der Unter­halts­ver­pflich­te­te, in Regel der geschie­de­ne Ehe­mann, ver­tritt nach dem Inkraft­tre­ten der Neu­re­ge­lun­gen die Auf­fas­sung, dass sei­ne geschie­de­ne Ehe­frau erheb­lich frü­her als noch nach altem Recht wie­der einer Voll­zeit­be­schäf­ti­gung nach­ge­hen kön­ne, sodass die Unter­halts­an­sprü­che zu befris­ten oder zu begren­zen sei­en.

Hier­zu, so betont Weis­pfen­ning, hat der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) jedoch bereits in einem Urteil vom 17.06.2009, Az. XII ZR 102/08, aus­führ­lich Stel­lung bezo­gen.  

Nach § 1570 Abs. 1 S. 2 BGB daue­re  der Anspruch auf nach­ehe­li­chen Betreu­ungs­un­ter­halt nach der Neu­re­ge­lung zwar nur noch dann über die Voll­endung des drit­ten Lebens­jah­res des Kin­des fort, wenn dies der „Bil­lig­keit” ent­spre­che. Damit ver­lan­ge die Neu­re­ge­lung regel­mä­ßig aber kei­nen abrup­ten Wech­sel von der elter­li­chen Betreu­ung zu einer Voll­zeit­er­werbs­tä­tig­keit. Nach Maß­ga­be der im Gesetz genann­ten kind­be­zo­ge­nen (§ 1570 Abs. 1 Satz 3 BGB) und eltern­be­zo­ge­nen (§ 1570 Abs. 2 BGB) Grün­de ist auch nach dem neu­en Unter­halts­recht ein gestuf­ter Über­gang bis hin zu einer Voll­zeit­er­werbs­tä­tig­keit mög­lich.  

In dem aus­ge­ur­teil­ten Fall wur­de die Ehe 2001 geschlos­sen, aus der ihre im März 2002 gebo­re­ne Toch­ter her­vor­ge­gan­gen ist. Nach der Tren­nung im April 2004 wur­de die Ehe sodann im Jah­re 2007 geschie­den. Die gemein­sa­me Toch­ter lebt seit der Tren­nung bei der Antrags­geg­ne­rin. Sie besuch­te zunächst an den Werk­ta­gen bis 14.00 Uhr den Kin­der­gar­ten. Seit Mit­te 2008 besucht sie die Grund­schu­le und wird dort anschlie­ßend bis 14.00 Uhr betreut. Nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts lei­det die Toch­ter an einer Glu­ten­un­ver­träg­lich­keit.  

Die Antrags­geg­ne­rin ist gelern­te Buch­händ­le­rin. Seit Okto­ber 2007 arbei­tet sie im Umfang von monat­lich 80 Tarif­stun­den und wei­te­re 30 “Flexi­s­tun­den” (2/3 einer voll­schich­ti­gen Erwerbs­tä­tig­keit) als Ver­käu­fe­rin. Ohne Berück­sich­ti­gung der so genann­ten “Flexi­s­tun­den” erzielt sie Monats­ein­künf­te, die sich nach Abzug gesetz­li­cher Abga­ben, berufs­be­ding­ter Kos­ten und eines Erwerbs­tä­ti­gen­bo­nus auf rund 638 EUR belau­fen. Die Antrags­geg­ne­rin ist zeit­wei­se auch in den Abend­stun­den und sams­tags berufs­tä­tig. In die­ser Zeit wird die Toch­ter von den Groß­el­tern müt­ter­li­cher­seits betreut.  

Der Antrag­stel­ler ist von Beruf Leh­rer. Er erzielt auf der Grund­la­ge eines Jah­res­brut­to­ein­kom­mens in Höhe von 48.578,37 EUR Net­to­ein­künf­te, die sich nach Abzug sei­ner Bei­trä­ge für die Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung, sei­ner berufs­be­ding­ten Fahrt­kos­ten und der Kos­ten für Fach­li­te­ra­tur auf monat­lich 2.473,51 EUR belau­fen. Für zwei Lebens­ver­si­che­run­gen zahlt er monat­li­che Bei­trä­ge in Höhe von ins­ge­samt 221,87 EUR.  

Das Amts­ge­richt hat­te den Ehe­mann ver­ur­teilt, an die Antrags­geg­ne­rin nach­ehe­li­chen Ele­men­tar­un­ter­halt in Höhe von 739 EUR sowie Alters­vor­sor­ge­un­ter­halt in Höhe von 179 EUR zu zah­len. Auf die Beru­fung des Antrag­stel­lers hat­te das Ober­lan­des­ge­richt den geschul­de­ten Unter­halt zeit­lich gestaf­felt zuletzt auf Ele­men­tar­un­ter­halt in Höhe von 501 EUR und Alters­vor­sor­ge­un­ter­halt in Höhe von 127 EUR für die Zeit von Janu­ar bis März 2008 sowie auf Ele­men­tar­un­ter­halt in Höhe von 478 EUR und Alters­vor­sor­ge­un­ter­halt in Höhe von 121 EUR für die Zeit ab April 2008 her­ab­ge­setzt. Die wei­te­re Beru­fung des Antrag­stel­lers mit dem Ziel einer Befris­tung des Betreu­ungs­un­ter­halts hat­te es zurück­ge­wie­sen. Bei­de Par­tei­en hat­ten gegen die­ses Urteil sodann Revi­si­on ein­ge­legt.  

Jedoch ohne nen­nens­wer­ten Erfolg, so betont Weis­pfen­ning.  

Die Revi­si­on des Antrag­stel­lers sei unbe­grün­det. Die Revi­si­on der Antrags­geg­ne­rin führ­te ledig­lich zu einer gering­fü­gi­gen Erhö­hung des geschul­de­ten Unter­halts.  

Die Neu­re­ge­lung ver­lan­ge auch wei­ter­hin regel­mä­ßig kei­nen abrup­ten Wech­sel von der elter­li­chen Betreu­ung zu einer Voll­zeit­er­werbs­tä­tig­keit (BT-Drucks. 16/6980 S. 9). Nach Maß­ga­be der im Gesetz genann­ten kind­be­zo­ge­nen (§ 1570 Abs. 1 Satz 3 BGB) und eltern­be­zo­ge­nen (§ 1570 Abs. 2 BGB) Grün­de sei auch nach dem neu­en Unter­halts­recht ein gestuf­ter Über­gang bis hin zu einer Voll­zeit­er­werbs­tä­tig­keit mög­lich, was das Ober­lan­des­ge­richt hier zu Recht ange­nom­men habe.  

Weis­pfen­ning mahn­te, dies zu beach­ten und sich in Zwei­fel­fäl­len umfas­send recht­lich bera­ten zu las­sen und ver­wies dazu u. a. auch auf die auf Fami­li­en­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­tin­nen und Anwäl­te in der DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung  für Erb- und Fami­li­en­recht e. V —  www.dansef.de —

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Mar­tin Weis­pfen­ning
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