(Stutt­gart) Ein Betreu­ungs-Wech­sel­mo­dell ist mit dem Kin­des­wohl nicht ver­ein­bar, wenn das Kind durch den stän­di­gen Wech­sel belas­tet wird und kei­ne Sta­bi­li­tät erfah­ren kann.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Fami­li­en­recht Mar­tin Weis­pfen­ning, Vize­prä­si­dent und Geschäfts­füh­rer „Fami­li­en­recht” der Deut­schen Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. (DANSEF) in Stutt­gart unter Hin­weis auf soeben ver­öf­fent­lich­ten Beschluss des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Koblenz vom 12.01.2010, Az.: 11 UF 251/09.

In dem Fall ver­ein­bar­ten die Par­tei­en anläss­lich des Aus­zugs des Antrags­geg­ners, dass sie die Betreu­ungs­zei­ten für die Kin­der weit­ge­hend hälf­tig tei­len. Sie prak­ti­zier­ten dabei ein Wech­sel­mo­dell, nach dem die Kin­der in der ers­ten Woche von Mon­tag­mor­gen bis Don­ners­tag­nach­mit­tag bei der Antrag­stel­le­rin und von Don­ners­tag­nach­mit­tag bis Mon­tag­mor­gen bei dem Antrags­geg­ner und in der zwei­ten Woche von Mon­tag­mor­gen bis Mitt­woch­mor­gen bei der Antrag­stel­le­rin, von Mitt­woch­nach­mit­tag bis Frei­tag­mor­gen bei dem Antrags­geg­ner und von Frei­tag­nach­mit­tag bis Mon­tag­mor­gen bei der Antrag­stel­le­rin betreut wer­den (8:6). Nach jeweils zwei Wochen wech­sel­ten die Auf­ent­halts­zei­ten bei der Antrag­stel­le­rin und dem Antrags­geg­ner.

Dage­gen wand­te sich schließ­lich die Mut­ter und Antrag­stel­le­rin mit dem Argu­ment, die­se Umgangs­re­ge­lung habe sich nicht bewährt. Die Kin­der sei­en durch den per­ma­nen­ten Wech­sel zwi­schen müt­ter­li­chem und väter­li­chem Haus­halt stark belas­tet und zeig­ten Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten. Sie streb­te einen wochen­wei­se abwech­seln­den Umgang des Antrags­geg­ners von Don­ners­tag bis Mon­tag und in der dar­auf fol­gen­den Woche von Don­ners­tag bis Frei­tag an.

Der Vater hin­ge­gen wünsch­te sich ein ein­fa­che­res Wech­sel­mo­dell in der Wei­se, dass er die Kin­der Don­ners­tag­nach­mit­tag bis in der dar­auf­fol­gen­den Woche Don­ners­tag­mor­gen zu sich neh­men kann. In der zwei­ten Woche sol­len sich die Kin­der von Don­ners­tag­nach­mit­tag bis Don­ners­tag­mor­gen im müt­ter­li­chen Haus­halt auf­hal­ten. Der Antrags­geg­ner ist der Ansicht, der wöchent­li­che Wech­sel ent­spre­che dem Wohl der Kin­der. Für das Wohl der Kin­der sei es unab­ding­bar, zu glei­chen Tei­len Kon­takt zu bei­den Eltern­tei­len zu haben.

Der­ar­ti­gen Wech­sel­mo­del­len, so betont Weis­pfen­ning, erteil­te das OLG Koblenz nun eine Absa­ge, wenn die Eltern sich nicht dar­über einig sind.

Ein Betreu­ungs-Wech­sel­mo­dell sei mit dem Kin­des­wohl nicht ver­ein­bar, wenn das Kind durch den stän­di­gen Wech­sel belas­tet wer­de und kei­ne Sta­bi­li­tät erfah­ren kön­ne. Ein Betreu­ungs-Wech­sel­mo­dell, und um sol­che han­de­le es sich hier in der Ver­gan­gen­heit und auch wie ange­strebt,  set­ze die Bereit­schaft und Fähig­keit der Eltern vor­aus, mit­ein­an­der zu koope­rie­ren und zu kom­mu­ni­zie­ren. Gegen den Wil­len eines Eltern­teils kön­ne ein Betreu­ungs-Wech­sel­mo­dell nicht fami­li­en­ge­richt­lich ange­ord­net wer­den.

In der Sache selbst, so Weis­pfen­ning, ord­ne­te das Gericht sodann einen kom­pli­zier­ten Modus, wie und wann der Vater die Kin­der wäh­rend der Woche, in den Oster‑, Sommer‑, Herbst- und Weih­nachts­fe­ri­en zu sich neh­men dür­fe.

Unab­hän­gig davon, dass der­ar­ti­ge Strei­tig­kei­ten, die sich oft auch über Jah­re hin­zie­hen, auch ins Geld gehen, so Weis­pfen­ning, ermahn­te er aus die­sem Anlass noch ein­mal alle Eltern­tei­le, sich im Fal­le einer Schei­dung güt­lich und ein­ver­nehm­lich über die Umgangs­rech­te für die Kin­der zu eini­gen. Denn selbst wenn ein Eltern­teil nun der Mei­nung sei, even­tu­ell einen „juris­ti­schen Sieg” über den ande­ren Eltern­teil davon­ge­tra­gen zu haben, dür­fe bei der­ar­ti­gen Strei­tig­kei­ten nie ver­ges­sen wer­den, dass die — meist noch min­der­jäh­ri­gen Kin­der — in der Regel sehr unter die­sen Strei­te­rei­en der Eltern lei­den und die­se in der Regel auch nicht gut hei­ßen. Das Mot­to „Wenn es um die Kin­der geht, hal­ten wir auch noch nach der Schei­dung zusam­men”, soll­te das Grund­prin­zip eines jeden Han­delns sein.

Soll­te dies aller­dings nicht mög­lich sein, so Weis­pfen­ning, riet er, sich in Zwei­fel­fäl­len umfas­send recht­lich bera­ten zu las­sen und ver­wies dazu u. a. auch auf die auf Fami­li­en­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­tin­nen und Anwäl­te in der DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung  für Erb- und Fami­li­en­recht e. V —  www.dansef.de -

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