(Stutt­gart) Wird der allein sor­ge­be­rech­tig­ten Mut­ter eines nicht­ehe­li­chen Kin­des das Auf­ent­halts­be­stim­mungs­recht ent­zo­gen, so kann der Vater des Kin­des inso­weit die Über­tra­gung des Sor­ge­rechts auf sich bean­tra­gen und ist gegen eine ableh­nen­de Ent­schei­dung des Fami­li­en­ge­richts auch beschwer­de­be­rech­tigt.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Fami­li­en­recht Mar­tin Weis­pfen­ning, Vize­prä­si­dent und Geschäfts­füh­rer „Fami­li­en­recht” der Deut­schen Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. (DANSEF) in Stutt­gart, unter Hin­weis auf den am 05. Juli 2010 ver­öf­fent­lich­ten Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs (BBH) vom 16. Juni 2010 — XII ZB 35/10.

In dem Fall sind die Betei­lig­ten zu 1 und 2 die nicht ver­hei­ra­te­ten Eltern des am 13. April 2006 gebo­re­nen Kin­des. Sie hat­ten nur eine kurz­zei­ti­ge Bezie­hung. Die Mut­ter, die drei wei­te­re Kin­der hat, ver­heim­lich­te ihre Schwan­ger­schaft. Nach der Geburt setz­te sie das Kind aus, indem sie in einen ande­ren Stadt­teil fuhr und das Kind dort vor die Tür eines Wohn­hau­ses leg­te. Nach­dem das Kind auf­ge­fun­den wur­de, wur­de es vom Jugend­amt in Obhut genom­men und in eine Pfle­ge­fa­mi­lie gege­ben. Mut­ter und Vater des Kin­des wur­den erst spä­ter ermit­telt. Die Mut­ter wur­de zu einer Frei­heits­stra­fe ver­ur­teilt.  

Der Mut­ter, die das Kind zunächst zur Adop­ti­on frei­ge­ge­ben hat­te, ist als allei­ni­ger Inha­be­rin des Sor­ge­rechts das Auf­ent­halts­be­stim­mungs­recht ent­zo­gen und dem Jugend­amt als Pfle­ger über­tra­gen wor­den. Zwi­schen Vater und Kind fin­den in wech­seln­dem Umfang beglei­te­te Umgangs­kon­tak­te statt. Der Vater bean­trag­te nun, ihm das Sor­ge­recht zu über­tra­gen. Das Amts­ge­richt — Fami­li­en­ge­richt — hat den Antrag zurück­ge­wie­sen. Das Ober­lan­des­ge­richt hat die Beschwer­de des Vaters als unzu­läs­sig ver­wor­fen.

Dage­gen rich­te­te sich die vom Vater ein­ge­leg­te Rechts­be­schwer­de, der der BGH nun in vol­lem Umfang ent­sprach, so betont Weis­pfen­ning.

Im Fall des Sor­ge­rechts­ent­zugs hat das Fami­li­en­ge­richt nach § 1680 BGB die elter­li­che Sor­ge dem Vater zu über­tra­gen, wenn dies dem Wohl des Kin­des dient. Die­se Rege­lung begrün­de ein sub­jek­ti­ves Recht des Vaters, aus dem sich auch des­sen Beschwer­de­be­rech­ti­gung gemäß § 20 FGG ergibt.

Ein sol­cher Fall lie­ge hier vor. Durch den Ent­zug des Auf­ent­halts­be­stim­mungs­rechts sei die Mut­ter inso­weit nicht mehr Inha­be­rin der Per­so­nen­sor­ge. Es ste­he dem­nach zwar kei­ne voll­stän­di­ge Sor­ge­rechts­ent­zie­hung in Rede, son­dern nur die Ent­zie­hung einer ein­zel­nen Befug­nis. Der hin­ter der ersatz­wei­sen Über­tra­gung des Sor­ge­rechts nach § 1680 Abs. 3, Abs. 2 Satz 2 BGB ste­hen­de gesetz­ge­be­ri­sche Gedan­ke gebie­te aber auch eine Anwen­dung auf die Ent­zie­hung von Teil­be­fug­nis­sen. Das müs­se jeden­falls für das hier in Rede ste­hen­de Auf­ent­halts­be­stim­mungs­recht gel­ten, weil es sich dabei um eine der wich­tigs­ten Sor­ge­rechts­be­fug­nis­se han­de­le. Der gesetz­li­che Gedan­ke des § 1680 BGB, dass bei einem Aus­fall des ursprüng­lich Sor­ge­be­rech­tig­ten oder einem die­sen betref­fen­den Sor­ge­rechts­ent­zug die nicht mehr aus­ge­üb­te Rechts­zu­stän­dig­keit dem ande­ren Eltern­teil zu über­tra­gen ist, könn­te ande­ren­falls unter­lau­fen wer­den, indem etwa rest­li­che Befug­nis­se dem für die elter­li­che Sor­ge unge­eig­ne­ten Eltern­teil belas­sen wer­den und dem ande­ren Eltern­teil so der Zugang zum Sor­ge­recht ver­sperrt blie­be. Das zei­ge auch der vor­lie­gen­de Fall. Denn die Mut­ter, die wei­ter­hin Inha­be­rin der rest­li­chen Sor­ge­rechts­be­fug­nis­se geblie­ben ist, hat­te nicht nur das Kind zunächst zur Adop­ti­on frei­ge­ge­ben, son­dern hat zu dem Kind auch kei­nen Kon­takt und strebt ihn auch nicht an.

Weis­pfen­ning, riet, das zu beach­ten und sich ggfs. umfas­send recht­lich bera­ten zu las­sen und ver­wies dazu u. a. auch auf die auf Fami­li­en- und Steu­er­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­tin­nen und Anwäl­te in der DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung  für Erb- und Fami­li­en­recht e. V —  www.dansef.de -

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