(Stutt­gart) Die aktu­ell beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt anhän­gi­gen Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen das zum 1. Janu­ar 2009 in Kraft getre­te­ne Erb­schaft­steuer­form­ge­setz recht­fer­ti­genn nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Köln kei­ne Aus­set­zung der Voll­zie­hung der Erb­schaft­steu­er­be­schei­de.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent der Deut­schen Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. (DANSEF) mit Sitz in Stutt­gart unter Hin­weis auf zwei am 15.11.2010 ver­öf­fent­lich­te Beschlüs­se des Finanz­ge­richts (FG) Köln vom 13. Okto­ber 2010 — 9 V 2566/10 u. a.

Zwi­schen den Betei­lig­ten ist strei­tig, ob der gegen die Antrag­stel­le­rin ergan­ge­ne Erb­schaft­steu­er­be­scheid im Hin­blick auf die gegen das Erb­schaft­steu­er­re­form­ge­setz erho­be­nen for­mel­len und mate­ri­el­len ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken und anhän­gi­gen Ver­fas­sungs­be­schwer­den von der Voll­zie­hung aus­zu­set­zen ist. Die Antrag­stel­le­rin ist neben ihren drei wei­te­ren Geschwis­tern zu glei­chen Tei­len Erbin nach ihrer 2009 ver­stor­be­nen Tan­te. Unter Berück­sich­ti­gung des Gesamt­nach­las­ses von 217.203 € und einem ent­spre­chend ihrer Erb­quo­te von ¼ auf sie ent­fal­len­den Erwerbs durch Erb­an­fall in Höhe von 54.300 € erging gegen­über der Antrag­stel­le­rin am 25.03.2010 ein unter dem Vor­be­halt der Nach­prü­fung ste­hen­der erst­ma­li­ger Erb­schaft­steu­er­be­scheid, der unter Berück­sich­ti­gung des Frei­be­tra­ges in Höhe von 20.000 € und eines Steu­er­sat­zes von 30 % zu einer fest­zu­set­zen­den Steu­er in Höhe von 10.050 € gelang­te.

Gegen die­sen Bescheid leg­te die Antrag­stel­le­rin Ein­spruch ein, den sie u. a. damit begrün­de­te, dass der Ansatz eines Steu­er­sat­zes von 30 % nicht gerecht­fer­tigt sei. Bekannt­lich sei der für sie maß­geb­li­che Steu­er­satz der Steu­er­klas­se II durch das Wachs­tums­be­schleu­ni­gungs­ge­setz vom 22.12.2009 zum 01.01.2010 von 30 % auf 15 % gesenkt wor­den. Es sei will­kür­lich und nicht nach­voll­zieh­bar, war­um die­se Ver­güns­ti­gung erst zum 01.01.2010 in Kraft getre­ten sei und Alt­fäl­le nicht mit in die­se Neu­re­ge­lung ein­be­zo­gen wor­den sei­en. Inso­weit lie­ge eine Ver­let­zung des Arti­kel 3 Abs. 1 Grund­ge­setz (GG) durch den Gesetz­ge­ber vor.

Damit, so Pas­sau, fand sie jedoch vor dem FG Köln kein Gehör.

Die von den Antrag­stel­lern gel­tend gemach­ten mate­ri­ell-recht­li­chen Beden­ken gegen die Anwen­dung des Erb­schaft­steu­er­re­form­ge­set­zes vor dem Hin­ter­grund des Umstands, dass im Rah­men des bereits ein Jahr spä­ter in Kraft getre­te­nen Wachs­tums­be­schleu­ni­gungs­ge­set­zes der Steu­er­satz für Steu­er­pflich­ti­ge der Steu­er­klas­se II von 30 % auf 15 % gesenkt wor­den sei, kön­ne hier nicht zu einer Aus­set­zung der Voll­zie­hung füh­ren.

Inso­weit han­de­le es sich um eine mate­ri­ell-ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­ge, bei der der Gel­tungs­an­spruch eines for­mell ver­fas­sungs­ge­mäß zustan­de gekom­me­nen Geset­zes zusätz­lich ein beson­de­res Inter­es­se an der Aus­set­zung der Voll­zie­hung erfor­de­re. Ein sol­ches beson­de­res Aus­set­zungs­in­ter­es­se sei hier nicht erkenn­bar. Denn bei einer steu­er­li­chen Belas­tung von ca. 20 % des erb­schafts­be­ding­ten Erwerbs (ca. 10.000 € Steu­er bei einem Erwerb von ca. 50.000 €) sei­en die Bedeu­tung und die Schwe­re des durch die Voll­zie­hung des ange­foch­te­nen Bescheids beim Steu­er­pflich­ti­gen ein­tre­ten­den Ein­griffs als eher gering ein­zu­stu­fen und nicht mit dau­er­haf­ten nach­tei­li­gen Aus­wir­kun­gen behaf­tet.

Neh­me man hin­zu, dass der Bun­des­fi­nanz­hof ins­be­son­de­re dann Beden­ken gegen die Gewäh­rung einer Aus­set­zung der Voll­zie­hung hat, wenn die Aus­set­zung der Voll­zie­hung eines Steu­er­be­scheids im Ergeb­nis dazu füh­ren wür­de, dass ein gesam­tes Gesetz vor­läu­fig nicht mehr ange­wen­det wer­den kön­ne, so wer­de hier­aus ersicht­lich, dass der Bun­des­fi­nanz­hof gera­de in den Fäl­len, in denen sich die Belas­tun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen in einem abso­lut über­schau­ba­ren Rah­men hal­ten, auch ein beson­de­res berech­tig­tes Inter­es­se des Antrag­stel­lers an der Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes für erfor­der­lich erach­tet.

Auf­grund die­ser Grund­sät­ze kön­ne dem Aus­set­zungs­in­ter­es­se der Antrag­stel­le­rin nicht der Vor­rang vor dem öffent­li­chen Inter­es­se an der Anwen­dung des Erb­schaft­steu­er­re­form­ge­set­zes ein­ge­räumt wer­den.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen oder  steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf die DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung  für Erb- und Fami­li­en­recht e. V —  www.dansef.de — ver­wies.

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