(Stutt­gart) Der 11. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg hat den Antrag eines Man­nes auf Fest­stel­lung, dass er nicht der leib­li­che Vater des Kin­des sei­ner Ehe­frau sei, abge­lehnt. Das Recht der Anfech­tung der Vater­schaft sei aus­ge­schlos­sen, wenn das Kind mit Ein­wil­li­gung des Antrag­stel­lers und der Mut­ter künst­lich mit­tels einer Samen­spen­de gezeugt wor­den sei.

Das, so der Ham­mer Fach­an­walt für Fami­li­en­recht Cas­par Blu­men­berg, Vize­prä­si­dent der Deut­schen Anwalts-, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Mit­tei­lung des Gerichts vom 15.07.2014, hat der 11. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Olden­burg am 30.6.2014, Az. 11 UF 179/13, ent­schie­den.

Der Mann hat­te behaup­tet, er sei zeu­gungs­un­fä­hig und das Kind sei im Wege der Fremd­be­fruch­tung gezeugt wor­den. Sei­ne Ehe­frau habe ohne sein Wis­sen und ohne sei­ne Zustim­mung über das Inter­net einen Samen­spen­der gesucht und gefun­den. Er sei daher nicht der Vater und auch nicht zur Zah­lung von Unter­halt ver­pflich­tet.

Das Fami­li­en­ge­richt hat dem Antrag ent­spro­chen und auf der Grund­la­ge eines ein­ge­hol­ten Abstam­mungs­gut­ach­tens fest­ge­stellt, dass der Mann nicht der Vater des Kin­des ist. Auf die Beschwer­de der Mut­ter des Kin­des wur­de der Beschluss des Fami­li­en­ge­richts jetzt geän­dert.

Der Antrag­stel­ler sei, so der Senat, gemäß § 1592 Nr. 1 BGB Vater des Kin­des, weil er bei der Geburt mit der Mut­ter ver­hei­ra­tet gewe­sen sei. Allein der Umstand, dass auf­grund des Abstam­mungs­gut­ach­tens fest­ste­he, dass der Mann nicht der bio­lo­gi­sche Vater des Kin­des sei, ände­re dar­an nichts. Das Recht der Anfech­tung der Vater­schaft sei viel­mehr aus­ge­schlos­sen, weil das Kind mit Ein­wil­li­gung des Antrag­stel­lers und der Mut­ter künst­lich mit­tels einer Samen­spen­de gezeugt wor­den sei.

Der Gesetz­ge­ber habe in Fäl­len, in denen sich Ehe­leu­te bewusst für die Zeu­gung eines Kin­des durch künst­li­che Fremd­sa­men­über­tra­gung ent­schei­den, die Anfech­tung aus­ge­schlos­sen. Die Eltern über­neh­men eine beson­de­re Ver­ant­wor­tung für das auf die­se Wei­se gezeug­te Kind und dürf­ten nicht im Nach­hin­ein über die zuvor ein­ver­nehm­lich getrof­fe­ne Wahl der Fremd­zeu­gung ihre elter­li­che Ver­ant­wor­tung wie­der auf­he­ben las­sen. Etwas ande­res gel­te nur dann, wenn es sich nicht um eine künst­li­che Befruch­tung han­de­le, son­dern der Geschlechts­akt mit dem Samen­spen­der tat­säch­lich voll­zo­gen wor­den sei.

Nach Durch­füh­rung der Beweis­auf­nah­me, in der der Senat ins­be­son­de­re den bio­lo­gi­schen Vater des Kin­des ermit­telt und als Zeu­gen ver­nom­men hat­te, stell­te sich her­aus, dass der Mann sehr wohl einer Fremd­be­fruch­tung zuge­stimmt hat­te. Nach­dem eine künst­li­che Befruch­tung fehl­ge­schla­gen war, hat­ten der Mann und sei­ne Ehe­frau über eine Samen­spen­de gespro­chen. Der Mann war dann zunächst mit einer Fremd­be­fruch­tung ein­ver­stan­den. Ihm wur­de erst spä­ter, als die Frau schwan­ger gewor­den war, bewusst was es für ihn bedeu­te, dass das Kind bio­lo­gisch nicht von ihm abstam­me. Die­ser spä­te Sin­nes­wan­del war recht­lich aller­dings bedeu­tungs­los.

Ohne Belang war auch das gewähl­te Ver­fah­ren der Fremd­sa­men­über­tra­gung. Da eine Samen­spen­de aus einer Samen­bank für die Eltern nicht bezahl­bar war, fand die Mut­ter über ein Samen­spen­de­por­tal im Inter­net den jet­zi­gen bio­lo­gi­schen Vater. Der Aus­tausch der Samen fand in einem Hotel statt. Eine Ver­gü­tung ver­lang­te der Samen­spen­der dafür nicht.

Die Ent­schei­dung ist rechts­kräf­tig.

Blu­men­berg emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fäl­len Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. auch auf die bun­des­weit mehr als 700 auf Erbrecht, Erb­schaft­steu­er­recht und Schei­dungs­recht spe­zia­li­sier­ten Rechts­an­wäl­te und Steu­er­be­ra­ter der DANSEF Deut­sche Anwalts-, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., www.dansef.de ver­wies.

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