(Stutt­gart) Die gesetz­li­chen Beschrän­kun­gen einer Vor­erb­schaft ent­fal­len, wenn der Erb­las­ser tes­ta­men­ta­risch ver­fügt hat, dass die Vor­erbin „frei” über den Nach­lass ver­fü­gen kann, sobald die zu Nach­er­ben ein­ge­setz­ten pflich­teil­be­rech­tig­ten Kin­der ihren Pflicht­teil ver­lan­gen.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Erbrecht Micha­el Henn, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied der Deut­schen Anwalts-, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. (DANSEF) mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Hamm vom 4.07.2013 zu sei­nem rechts­kräf­ti­gen Beschluss vom 11.04.2013 (15 W 112/13).

Der im Febru­ar 2006 ver­stor­be­ne, 68 Jah­re alte Erb­las­ser aus Kamen hat­te im Jah­re 1991 zwei Tes­ta­men­te errich­tet, mit denen er sei­ne im Jahr 1948 gebo­re­ne zwei­te Ehe­frau als Vor­erbin und sei­ne drei, in den Jah­ren 1962, 1963 und 1965 gebo­re­nen Töch­ter aus ers­ter Ehe als Nach­er­ben ein­ge­setzt hat­te. Tes­ta­men­ta­risch hat­te er wei­ter bestimmt, dass die Vor­erbin „frei” über den Nach­lass ver­fü­gen dür­fe, falls mehr als eines sei­ner Kin­der nach sei­nem Tode den Pflicht­teil gel­tend mache. Im Jah­re 2007 hat­te sei­ne Ehe­frau auf­grund einer nota­ri­el­len Ver­ein­ba­rung an jede Toch­ter 17.000 € zur Abfin­dung ihrer erbrecht­li­chen Ansprü­che gezahlt. Im Anschluss hier­an ver­wei­ger­te das Grund­buch­amt die Umschrei­bung eines zum Nach­lass gehö­ren­den Grund­stücks auf die Ehe­frau als Eigen­tü­me­rin ohne gleich­zei­ti­ge Ein­tra­gung eines Nach­er­ben­ver­merks.

• Erläu­te­rung des OLG:

Anders als ein Vol­l­er­be erwirbt ein Vor­er­be den Nach­lass nur mit Beschrän­kun­gen, damit die Sub­stanz des Nach­las­ses für den Nach­er­ben erhal­ten bleibt. So kann der Vor­er­be z.B. Nach­lass­grund­stü­cke grds. nicht zum Nach­teil des Nach­er­ben ver­äu­ßern. Des­we­gen wird im Grund­buch ein Nach­er­ben­ver­merk ein­ge­tra­gen.

Der von der Ehe­frau gegen die Ent­schei­dung des Grund­buch­am­tes erho­be­nen Beschwer­de hat der 15. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm statt­ge­ge­ben, so Henn. Mit der nota­ri­el­len Abfin­dungs­ver­ein­ba­rung sei­en die Pflicht­tei­le der Töch­ter gel­tend gemacht wor­den. Die tes­ta­men­ta­ri-sche Bestim­mung des Erb­las­sers hier­zu sei so zu ver­ste­hen, dass die bedach­te Ehe­frau in die­sem Fall von den Beschrän­kun­gen der Nach­erb­schaft befreit sei, also die Rechts­stel­lung einer Vol­l­er­bin erhal­te. Anders kön­ne die tes­ta­men­ta­ri­sche Bestim­mung, nach der sie mit dem Gel­tend­ma­chen von Pflicht­teils­an­sprü­chen frei über den Nach­lass ver­fü­gen kön­ne, nicht aus­ge­legt wer­den. Des­we­gen sei sie ohne Nach­er­ben­ver­merk als Eigen­tü­me­rin im Grund­buch ein­zu­tra­gen.
Henn riet, das zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. auch auf die Anwälte/ — innen in der DANSEF Deut­sche Anwalts-, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., — www.dansef.de — ver­wies.

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