(Stutt­gart) In einem am 10.02.2010 ver­öf­fent­lich­ten Urteil hat der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, dass die Begüns­ti­gung des Betriebs­ver­mö­gens des § 13a des Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­set­zes (ErbStG) auch dann nach­träg­lich ent­fällt, wenn die Über­ent­nah­me der Zah­lung der durch den Erwerbs­vor­gang aus­ge­lös­ten Erb­schaft- oder Schen­kungsteu­er die­nen.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Erb- und Steu­er­recht Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., Stutt­gart unter Hin­weis auf das am 10.02.2010 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 11. 11.2009, Az.: II R 63/08.

In dem Fall der Vater sei­ner Toch­ter im Jah­re 1998 einen Anteil in Höhe von 10,5 v. H. sei­nes Kom­man­dit­an­teils an der B‑GmbH & Co. KG geschenkt. Als der Vater sodann im Jah­re 2000 ver­starb, setz­te das Finanz­amt gegen sie eine Schen­kungsteu­er von 2.248.191 DM fest. Dabei wur­den ihr die Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen gemäß § 13a des Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­set­zes (ErbStG) in der damals gel­ten­den Fas­sung in Höhe von ins­ge­samt 7.814.815 DM (dama­li­ger Frei­be­trag: 400.000 DM, Bewer­tungs­ab­schlag: 7.414.815 DM) gewährt. Die Schen­kungsteu­er in Höhe von 2.248.191 DM wur­de sodann unmit­tel­bar vom Geschäfts­kon­to der B‑GmbH gezahlt.

Nach Ablauf der vor­ge­se­he­nen fünf­jäh­ri­gen Behal­tens­frist gemäß § 13a Abs. 5 ErbStG for­der­te das Finanz­amt die Toch­ter und Klä­ge­rin auf, mit­zu­tei­len, ob schäd­li­che Ver­fü­gun­gen im Sin­ne der vor­ge­nann­ten Vor­schrift erfolgt sei­en. Dar­auf­hin teil­te sie mit, dass inner­halb der genann­ten Frist Über­ent­nah­men aus dem begüns­tigt erwor­be­nen Ver­mö­gen getä­tigt wor­den sei­en, die aller­dings allein aus den fäl­li­gen Schen­kungsteu­er­zah­lun­gen resul­tie­ren wür­den. Nach Abzug des unschäd­li­chen Betra­ges in Höhe von 100.000 DM ergä­ben sich Über­ent­nah­men in Höhe von 1.334.295,18 DM. Ohne Berück­sich­ti­gung der gezahl­ten Schen­kungsteu­er in Höhe von 2.248.191 DM wer­de der Tat­be­stand des § 13a Abs. 5 Nr. 3 ErbStG aber nicht erfüllt, wes­halb eine schäd­li­che Ver­wen­dung des begüns­tig­ten Ver­mö­gens hier zu ver­nei­nen sei.

Das Finanz­amt sah in dem Ver­hal­ten jedoch einen Ver­stoß gegen die Vor­schrift, so Gie­se­ler,  und änder­te die Steu­er­fest­set­zung 2005 sodann dahin­ge­hend, dass es unter Berück­sich­ti­gung von Über­ent­nah­men in Höhe von 1.335.998 DM sowie von Vor­schen­kun­gen die Schen­kungsteu­er auf 2.515.041 DM fest­setz­te. Dabei berück­sich­tig­te es Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen nach § 13a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Abs. 2 ErbStG in Höhe von ins­ge­samt 7.281.097 DM (Frei­be­trag: 400.000 DM, Bewer­tungs­ab­schlag: 6.881.097 DM), woge­gen sich sodann der Ein­spruch und die fol­gen­de Kla­ge rich­te­te.

Aller­dings ohne Erfolg, wie auch sein Vor­stands­kol­le­ge und DANSEF Vize­prä­si­dent, der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, betont.

Nach § 13a Abs. 5 Nr. 3 ErbStG fal­len der Frei­be­trag oder Frei­be­trags­an­teil nach Abs. 1 und der ver­min­der­te Wert­an­satz nach Abs. 2 mit Wir­kung für die Ver­gan­gen­heit weg, soweit der Erwer­ber inner­halb von fünf Jah­ren nach dem Erwerb als Gesell­schaf­ter einer Gesell­schaft bis zum Ende des letz­ten in die Fünf­jah­res­frist fal­len­den Wirt­schafts­jahrs Ent­nah­men tätigt, die die Sum­me sei­ner Ein­la­gen und der ihm zuzu­rech­nen­den Gewin­ne oder Gewinn­an­tei­le seit dem Erwerb um mehr als 100.000 DM über­stei­gen.

Hier­bei hat der BFH in dem Urteil aus­drück­lich betont, dass die Rege­lung nicht auf die Grün­de abstel­le, die zu einer Ent­nah­me füh­ren. Viel­mehr soll jede Ent­nah­me grund­sätz­lich befrei­ungs­schäd­lich sein, betont Pas­sau. Danach stellt die unmit­tel­bar vom Geschäfts­kon­to der B‑GmbH erfolg­te Zah­lung der gegen die Klä­ge­rin fest­ge­setz­ten Schen­kungsteu­er in Höhe von 2.248.191 DM eine inner­halb von fünf Jah­ren nach dem Erwerb vor­ge­nom­me­ne Ent­nah­me der Klä­ge­rin dar. Die­se über­stei­ge die Sum­me ihrer Ein­la­gen und der ihr zuzu­rech­nen­den Gewinn­an­tei­le seit dem Erwerb um mehr als 100.000 DM. Der kla­re und ein­deu­ti­ge Wort­laut des § 13a Abs. 5 Nr. 3 ErbStG las­se eine Ein­schrän­kung sei­nes Anwen­dungs­be­rei­ches für den Fall einer Über­ent­nah­me zur Til­gung der für den Erwerb fest­ge­setz­ten Schen­kungsteu­er weder mit Blick auf den Sinn und Zweck der Vor­schrift noch unter dem Gesichts­punkt einer ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung zu.

Das rigi­de Urteil, so beto­nen denn auch bei­de Steu­er­ex­per­ten, dürf­te somit auch Aus­wir­kun­gen auf die neue Rege­lung nach § 13a Abs. 5 Nr. 3 ErbStG im Fal­le von Über­ent­nah­men haben. Das Urteil sei daher von ent­schei­den­der Bedeu­tung und zei­ge auf, wel­che Fol­gen es habe, wenn die fäl­li­ge Erb­schaft­steu­er nicht aus etwa noch vor­han­de­nem Pri­vat­ver­mö­gen, son­dern dem Betriebs­ver­mö­gen ent­nom­men wer­den müs­se.

Bei­de Exper­ten emp­fah­len drin­gend, das Urteil zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen oder  steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf die DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung  für Erb- und Fami­li­en­recht e. V —  www.dansef.de — ver­wies.

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Dr. Nor­bert Gie­se­ler
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Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
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