(Stutt­gart) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat soeben ent­schie­den, dass die vom Erben in sei­ner Eigen­schaft als Gesamt­rechts­nach­fol­ger zu leis­ten­de, noch vom Erb­las­ser her­rüh­ren­de Ein­kom­men­steu­er-Abschluss­zah­lung für das Todes­jahr als Nach­lass­ver­bind­lich­keit gemäß § 10 Abs. 5 Nr. 1 des Erb­schaft­steu­er­ge­set­zes abzugs­fä­hig ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent der Deut­schen Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. (DANSEF) mit Sitz in Stutt­gart unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 22.08.2012 zu sei­nem Urteil vom 4. Juli 2012 — II R 15/11.

Im Streit­fall war die Klä­ge­rin neben ihrer Schwes­ter Mit­er­bin ihrer Eltern gewor­den. Die Eltern waren bei­de kurz nach­ein­an­der im Kalen­der­jahr 2004 ver­stor­ben. Für den Ein­kom­men­steu­er-Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2004 waren von den Erbin­nen als Gesamt­rechts­nach­fol­ger ihrer Eltern nach Anrech­nung der von den ver­stor­be­nen Eltern ent­rich­te­ten Vor­aus­zah­lun­gen erheb­li­che Nach­zah­lun­gen zu ent­rich­ten.

Nach Ansicht des BFH gehö­ren zu den abzugs­fä­hi­gen Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten nicht nur die Steu­er­schul­den, die zum Zeit­punkt des Erb­falls (Todes­zeit­punkt) in der Per­son des Erb­las­sers bereits recht­lich ent­stan­den waren, son­dern auch sol­che Steu­er­ver­bind­lich­kei­ten, die der Erb­las­ser als Steu­er­pflich­ti­ger durch die Ver­wirk­li­chung von Steu­er­tat­be­stän­den begrün­det hat und die erst mit dem Ablauf des Todes­jah­res ent­ste­hen, so Pas­sau. Dies gel­te in Über­ein­stim­mung mit der zivil­recht­li­che Recht­spre­chung, wonach sich aus dem Begriff “her­rüh­ren” ergibt, dass die Ver­bind­lich­kei­ten zum Zeit­punkt des Erb­falls noch nicht voll wirk­sam ent­stan­den sein müs­sen. Ent­schei­dend für den Abzug der Steu­er­schul­den als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten ist, dass der Erb­las­ser in eige­ner Per­son und nicht etwa der Erbe als Gesamt­rechts­nach­fol­ger steu­er­rele­van­te Tat­be­stän­de ver­wirk­licht hat und des­halb “für den Erb­las­ser” als Steu­er­pflich­ti­gen eine Steu­er ent­steht.

Das Urteil hat weit über den ent­schie­de­nen Ein­zel­fall hin­aus prak­ti­sche Bedeu­tung. Durch den Abzug der Ein­kom­men­steu­er­schul­den als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten hat die Ein­kom­men­steu­er für das Todes­jahr unmit­tel­ba­re Aus­wir­kung auf die Höhe der fest­zu­set­zen­den Erb­schaft­steu­er. Im Fal­le der Zusam­men­ver­an­la­gung von Ehe­leu­ten, von denen ein Ehe­part­ner im Lau­fe des Jah­res ver­stirbt, ist, so der BFH, ent­spre­chend § 270 der Abga­ben­ord­nung zu ermit­teln, inwie­weit die Ein­kom­men­steu­er­nach­zah­lung auf den Erb­las­ser, d.h. auf den vor­ver­stor­be­nen Ehe­gat­ten ent­fällt.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen und/oder steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf die DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V — www.dansef.de — ver­wies.

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