(Stutt­gart) Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gun­gen für die vor­zei­ti­ge Ablö­sung von Dar­le­hen, die im Rah­men der Erbaus­ein­an­der­set­zung zur Auf­tei­lung des Nach­las­ses an Ban­ken gezahlt wer­den, kön­nen nicht als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten bei der Erb­schaft­steu­er berück­sich­tigt wer­den.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Erb- und Steu­er­recht, Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DANSEF Deut­sche Anwalts-, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., Stutt­gart unter Bezug­nah­me auf ein am 01.07.2009 ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Finanz­ge­richts Köln vom  05.02.2009, Az. 9 K 204/07.

In dem Fall hat­ten zwei Söh­ne je zur Hälf­te u. a. meh­re­re Grund­stü­cke geerbt, die noch mit Ver­bind­lich­kei­ten belas­tet waren. Im Rah­men der Aus­ein­an­der­set­zung der zwi­schen dem Klä­ger und sei­nem Bru­der bestehen­den Erben­ge­mein­schaft nah­men der Klä­ger und sein Bru­der eine vor­zei­ti­ge Ablö­sung die­ser Kre­dit­ver­trä­ge vor und teil­ten sodann den nun­mehr las­ten­frei­en Grund­be­sitz zwi­schen sich auf. Für die vor­zei­ti­ge Been­di­gung der drei Kre­dit­ver­trä­ge muss­ten der Klä­ger und sein Bru­der Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gun­gen in Höhe von 66.968, 40 €, 9.702,09 € sowie 11.908,22 € bezah­len. Hier­von mach­te der Klä­ger den jeweils hälf­ti­gen Betrag ent­spre­chend sei­nem hälf­ti­gen Erb­an­teil in Höhe von 33.484,20 €, 4.851,05 € sowie 5.954,11 € als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten gel­tend und bean­trag­ten, dies bei der Erb­schaft­steu­er­fest­set­zung zu berück­sich­ti­gen.

Zu Unrecht, wie das Finanz­ge­richt Köln nun befand, so Gie­se­ler.

Zu den sons­ti­gen Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten im Sin­ne des § 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG gehö­ren auch die Nach­las­sab­wick­lungs­kos­ten. Er umfasst die Kos­ten einer Todes­er­klä­rung, der Eröff­nung des Tes­ta­ments, des Erb­scheins, der tat­säch­li­chen recht­li­chen Fest­stel­lung des Nach­las­ses und sei­ner Bewer­tung, die Kos­ten, die auf­ge­wen­det wer­den müs­sen, um die Erben in den Besitz der Nach­lass­ge­gen­stän­de zu set­zen oder um die Umschrei­bung des Grund­buchs zu errei­chen sowie die Kos­ten der Erbaus­ein­an­der­set­zung. Hier­zu gehö­ren auch die Kos­ten, die dem Erben im Zusam­men­hang mit der Erfül­lung eines vom Erb­las­ser ange­ord­ne­ten Ver­mächt­nis­ses ent­ste­hen, die Kos­ten des Nach­lassin­ven­tars sowie die ange­mes­se­ne Kos­ten für den Tes­ta­ments­voll­stre­cker, der die Nach­las­sab­wick­lung vor­nimmt. Zu den Kos­ten der Erbaus­ein­an­der­set­zung gehö­ren ins­be­son­de­re auch die mit der Aus­ein­an­der­set­zungs­ver­ein­ba­rung zusam­men­hän­gen­den Auf­wen­dun­gen wie Notar­ge­büh­ren und Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten, aber auch die Kos­ten einer gericht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung sowie die Ver­wer­tungs­kos­ten.

Vor dem Hin­ter­grund die­ses Begriffs­ver­ständ­nis­ses der sons­ti­gen Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten bzw. Nach­las­sab­wick­lungs­kos­ten im Sin­ne des § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG ste­hen im Streit­fall die vor­zei­ti­ge Kre­dit­ab­lö­sung und die dadurch ver­ur­sach­ten Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gun­gen jedoch nur in einem ent­fern­ten sach­li­chen Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang mit der Aus­ein­an­der­set­zung der zwi­schen dem Klä­ger und sei­nem Bru­der bestehen­den Erben­ge­mein­schaft.

Eine sol­che vor­zei­ti­ge Ablö­sung war auch nicht zur Ver­tei­lung des Aktiv­ver­mö­gens not­wen­dig. Denn nach Abschluss einer ent­spre­chen­den form­gül­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zungs­ver­ein­ba­rung hät­ten auch die Grund­bü­cher umge­schrie­ben wer­den kön­nen und die Söh­ne als Erben wären inso­weit Eigen­tü­mer der­je­ni­gen Grund­stü­cke gewor­den, auf die sie sich im Rah­men der Aus­ein­an­der­set­zung geei­nigt hat­ten. Der Umstand, dass die­se Grund­stü­cke dann bis zum Ende der Lauf­zeit der betref­fen­den Kre­dit­ver­trä­ge noch für die gesam­ten Ver­bind­lich­kei­ten haf­ten muss­ten, hat kei­ne Bedeu­tung für die Fest­stel­lung, dass die Exis­tenz der betref­fen­den Kre­dit­ver­trä­ge die tat­säch­li­che und recht­li­che Mög­lich­keit einer Aus­ein­an­der­set­zung der Mit­er­ben­ge­mein­schaft nicht ver- oder behin­der­te.

Dane­ben wies der Senat dar­auf hin, dass die Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung ihrem Cha­rak­ter und ihrer Natur nach einen Ersatz für den der Bank auf­grund der vor­zei­ti­gen Been­di­gung des Kre­dit­ver­tra­ges ent­ge­hen­den Gewinn im Sin­ne des Zins­mar­gen- sowie des Zins­ver­schlech­te­rungs­scha­dens dar­stellt. Im Umfang des ent­gan­ge­nen Gewinns han­delt es sich bei der Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung daher um ein Sur­ro­gat für die ansons­ten in Gestalt der Zins­zah­lun­gen an die Bank geleis­te­ten Gewinn­an­tei­le. Für den Fall einer Fort­füh­rung der Kre­dit­ver­trä­ge ent­spre­chend der ver­ein­bar­ten Lauf­zeit hät­te der Klä­ger aber die ent­spre­chen­den Zins­zah­lun­gen nicht als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten gel­tend machen kön­nen, da es sich inso­weit um die Gegen­leis­tung für die im Rah­men eines als Dau­er­schuld­ver­hält­nis aus­ge­stal­te­ten wech­sel­sei­ti­gen Leis­tungs­aus­tausch­ver­hält­nis­ses bezo­ge­ne Leis­tung der Bank — die Kapi­tal­über­las­sung — gehan­delt hät­te. Tritt aber die Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung als vor­ge­zo­ge­ne Gewinn­ent­schä­di­gung und damit als Sur­ro­gat an die Stel­le der über die rest­li­che Ver­trags­lauf­zeit suk­zes­si­ve erfol­gen­den Zins­zah­lun­gen, so kann allein der Umstand der vor­zei­ti­gen Ablö­sung eines sol­chen noch vom Erb­las­ser auf­ge­nom­me­nen Kre­dits nicht zu einer Berück­sich­ti­gungs­fä­hig­keit die­ser in Gestalt einer vor­ge­zo­ge­nen Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung ver­dich­te­ten Zins­zah­lun­gen füh­ren.

Gie­se­ler mahn­te, das Urteil zu beach­ten und in Zwei­fels­fra­gen recht­li­chen und steu­er­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. auch auf die bun­des­weit mehr als 700 auf Erbrecht, Erb­schaft­steu­er­recht und Schei­dungs­recht spe­zia­li­sier­ten Rechts­an­wäl­te und Steu­er­be­ra­ter der DANSEF Deut­sche Anwalts-, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., www.dansef.de ver­wies.

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