BGH, Beschluss vom 13.11.2019, AZ XII ZB 118/17

Aus­ga­be: 12–2019Fami­li­en­recht

a) Hat das ers­te Kind eines Eltern­paa­res sei­nen Namen zunächst kraft Geset­zes erlangt und üben die Eltern nach Ein­tritt der gemein­sa­men elter­li­chen Sor­ge ihr Neu­be­stim­mungs­recht nach §1617b Abs.1 Satz1 BGB nicht oder nicht frist­ge­recht aus, ist im Unter­las­sen der Neu­be­stim­mung eine gestal­ten­de Wil­lens­ent­schei­dung zu sehen, wel­che den gesetz­li­chen Erwerb über­la­gert und in Bezug auf den fort­ge­führ­ten Namen des Kin­des Bin­dungs­wir­kung für des­sen wei­te­re Geschwis­ter erzeugt.
b) Solan­ge die gemein­sa­me elter­li­che Sor­ge für ein wei­te­res Kind nicht begrün­det ist, ist die Namens­bil­dung für die­ses Kind weder im Rah­men des §1617a Abs.1 BGB noch im Rah­men des §1617a Abs.2 BGB an den Namen gebun­den, den das ers­te Kind des glei­chen Eltern­paa­res auf­grund einer gestal­ten­den Namens­be­stim­mung nach §§1617, 1617b BGB erwor­ben hat.
c) Wird die gemein­sa­me Sor­ge für ein Kind nach­träg­lich begrün­det, ent­steht für die Eltern das Neu­be­stim­mungs­recht nach §1617b Abs.1 BGB auch dann, wenn die­sem Kind zuvor nach §1617a Abs.2 BGB der Name des sei­ner­zeit nicht sor­ge­be­rech­tig­ten Eltern­teils mit des­sen Ein­ver­ständ­nis erteilt wor­den ist.
d) Sind die Eltern nach der Begrün­dung der gemein­sa­men Sor­ge für wei­te­re Kin­der gemäß §§1617b Abs.1 Satz4, 1617 Abs.1 Satz3 BGB an den Namen des ers­ten Kin­des gebun­den, erwer­ben die wei­te­ren Kin­der mit einem bis­lang abwei­chen­den Namen ‑vor­be­halt­lich etwai­ger Anschlie­ßungs­er­for­der­nis­se nach §§1617b Abs.1 Satz4, 1617c Abs.1 BGB ‑im Moment der Begrün­dung des gemein­sa­men Sor­ge­rechts den Geburts­na­men des ers­ten Geschwis­ter­kinds kraft Geset­zes.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&Datum=Aktuell&Sort=12288&Seite=1&nr=102332&pos=51&anz=527