OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 02.06.2020, AZ I‑3 Wx 79/20

Aus­ga­be: 07–2020Erbrecht

Wirk­sam­keits­prü­fung für ein hand­schrift­li­ches Ein­zel­tes­ta­ment eines Ehe­gat­ten im Erb­schein­er­tei­lungs­ver­fah­ren: Bin­dungs­wir­kung einer wech­sel­sei­ti­gen Ein­set­zung zu Allein­er­ben in einem nota­ri­el­len Erb­ver­trag der Ehe­gat­ten mit einem Ände­rungs­vor­be­halt; Vor­aus­set­zung der Ein­ho­lung eines schrift­ver­glei­chen­den Gut­ach­tens

1. Haben die Erb­las­se­rin und ihr vor­ver­stor­be­ner Ehe­mann in einem nota­ri­el­len Erb­ver­trag ein­an­der wech­sel­sei­tig zu Allein­er­ben ein­ge­setzt, den aus ers­ter Ehe stam­men­den Sohn des vor­ver­stor­be­nen Ehe­man­nes zum Allein­er­ben des Zuletzt­versterben­den bestimmt und fest­ge­hal­ten, dass sämt­li­che Bestim­mun­gen des Erb­ver­tra­ges bin­dend sein sol­len, im Fal­le des Über­le­bens der Ehe­frau die Bin­dungs­wir­kung jedoch ent­fal­le, wenn der Sohn oder einer sei­ner Nach­kom­men von ihr den Pflicht­teil ver­lan­ge, so stellt sich letz­te­re Rege­lung als Bedin­gung für einen zuguns­ten der Erb­las­se­rin bestehen­den Ände­rungs­vor­be­halt dar (hier: mit der Fol­ge, dass sich die tes­ta­men­ta­ri­sche Ein­set­zung ihrer Nich­te zur Allein­er­bin in Erman­ge­lung eines nach­ge­wie­se­nen Pflicht­teils­ver­lan­gens als unwirk­sam erweist).(Rn.12)
2. Die Ein­ho­lung eines schrift­ver­glei­chen­den Gut­ach­tens zu der Fra­ge der Echt­heit der Unter­schrift des Erb­las­sers auf einer rele­van­ten Erklä­rung kommt unter Beach­tung des Grund­sat­zes zur Beweis­erhe­bung nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen nur in Betracht, wenn das Gericht — wie hier nicht der Fall — selbst Auf­fäl­lig­kei­ten in Bezug auf die Echt­heit einer Unter­schrift (z.B. Abwei­chun­gen von Ver­gleichs­un­ter­schrif­ten) feststellt.(Rn.14)

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: https://www.justiz.nrw.de/nrwe/olgs/duesseldorf…