OLG Hamm, Beschluss vom 28.04.2020, AZ 2 WF 14/20

Aus­ga­be: 05–2020Fami­li­en­recht

1. Die Erset­zung der Ein­wil­li­gung des ande­ren Eltern­teils in die Ein­be­nen­nung eines Kin­des gem. § 1618 Satz 4 BGB setzt eine umfas­sen­de Abwä­gung der – grund­sätz­lich gleich­ran­gi­gen – Kin­des- und Eltern­in­ter­es­sen vor­aus. Dabei ist stets zu prü­fen, ob die Tren­nung des Namens­ban­des aus Grün­den des Kin­des­wohls unab­ding­bar not­wen­dig ist. Es müs­sen kon­kre­te Umstän­de vor­lie­gen, die das Kin­des­wohl gefähr­den, so dass die Ein­be­nen­nung uner­läss­lich ist, um Schä­den von dem Kind abzu­wen­den (im Anschluss an BGH, Beschluss vom 24.10.2001 – XII ZB 88/99 – FamRZ 2002, 94; Beschluss vom 30.01.2002 – XII ZB 94/00 – FamRZ 2002, 1331; Beschluss vom 10.03.2005 – XII ZB 153/03 – FamRZ 2005, 889; Abgren­zung zu OLG Frank­furt, Beschluss vom 18.12.2019 – 1 UF 140/19 –, FamRZ 2020, 591).

2. Eine bestehen­de Namens­ver­schie­den­heit trifft grund­sätz­lich jedes Kind, das aus einer geschie­de­nen Ehe stammt und bei einem wie­der­ver­hei­ra­te­ten Eltern­teil lebt, der den Namen des neu­en Ehe­part­ners ange­nom­men hat. Blo­ße Unan­nehm­lich­kei­ten infol­ge der Namens­ver­schie­den­heit und der Not­wen­dig­keit, die­se auf Nach­fra­gen zu erklä­ren, ver­mö­gen die Erfor­der­lich­keit einer Namens­än­de­rung daher eben­so wenig zu begrün­den wie der blo­ße Wunsch des Kin­des, aus­blei­ben­de Kin­des­un­ter­halts­zah­lun­gen des ande­ren Eltern­teils oder der Umstand, dass kein Umgang mit dem ande­ren Eltern­teil statt­fin­det.

3. Die Ein­be­nen­nung ist als zusätz­li­ches Inte­gra­ti­ons­mit­tel fer­ner dann nicht erfor­der­lich, wenn das Kind bereits unter sei­nem bis­he­ri­gen Namen aus­rei­chend in die „Stief­fa­mi­lie“ inte­griert ist (im Anschluss an OLG Dres­den, Beschluss vom 11.04.2014 – 22 UF 833/13 –, FamRZ 2014, 1853)

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: https://www.justiz.nrw.de/nrwe/olgs/hamm/j2020/…