OLG Stutt­gart, Beschluss vom 27.12.2019, AZ 8 W 241/17

Aus­ga­be: 02–2020Erbrecht

Letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung: Wirk­sam­keit eines nur von einem Ehe­gat­ten nie­der­ge­schrie­be­nen und unter­schrie­be­nen — mit­hin unvoll­stän­di­gen — gemein­schaft­li­chen Tes­ta­men­tes; ein­sei­ti­ge Abän­de­rung einer Ver­fü­gung im Erb­ver­trag zu Leb­zei­ten bei­der Ver­trags­part­ner

1. Ein nur von einem Ehe­gat­ten nie­der­ge­schrie­be­nes und unter­schrie­be­nes — mit­hin unvoll­stän­di­ges — gemein­schaft­li­ches Tes­ta­ment kann als Ein­zel­tes­ta­ment auch dann wirk­sam sein, wenn der tes­tie­ren­de Ehe­gat­te die Unter­schrift des ande­ren Ehe­gat­ten gefälscht hat. Für die Abgren­zung zwi­schen wirk­sa­mer ein­sei­ti­ger Ver­fü­gung und geschei­ter­tem Ent­wurf eines gemein­schaft­li­chen Tes­ta­ments ist auf den Wil­len der Per­son abzu­stel­len, die das Doku­ment erstellt hat. Woll­te die­se die in dem Doku­ment ent­hal­te­nen Anord­nun­gen auch als ein­sei­ti­ge Ver­fü­gun­gen von Todes wegen tref­fen, sind sie wirk­sam.
2. Zur Zuläs­sig­keit der ein­sei­ti­gen Abän­de­rung einer Ver­fü­gung im Erb­ver­trag, der es dem über­le­ben­den Ver­trags­part­ner gestat­tet, „nach dem Able­ben“ des zuerst Ster­ben­den belie­big ander­wei­tig zu ver­fü­gen, zu Leb­zei­ten bei­der Ver­trags­part­ner.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://lrbw.juris.de/cgi-bin/laender_rechtsprec…