(Stutt­gart) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat soeben den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) zur Klä­rung gemein­schafts­recht­li­cher Fra­gen ange­ru­fen, die den Aus­schluss des in einem Dritt­staat befind­li­chen Betriebs­ver­mö­gens von erb­schaft­steu­er­recht­li­chen Begüns­ti­gun­gen für inlän­di­sches Betriebs­ver­mö­gen betref­fen.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Erb- und Steu­er­recht Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., Stutt­gart, unter Hin­weis auf den am 19.01.2011 ver­öf­fent­lich­ten Beschluss des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 15. Dezem­ber 2010 — II R 63/09.

Die Klä­ge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens ist die Allein­er­bin ihres 2007 ver­stor­be­nen Vaters. Zum Nach­lass gehör­te u.a. eine Betei­li­gung des Vaters als Allein­ge­sell­schaf­ter an einer kana­di­schen Kapi­tal­ge­sell­schaft. Das Finanz­amt (FA) setz­te Erb­schaft­steu­er ohne Berück­sich­ti­gung der für Antei­le an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft mit Sitz oder Geschäfts­lei­tung im Inland in § 13a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Abs. 2 des Erb­schaft­steu­er­ge­set­zes (Fas­sung 2007) ErbStG vor­ge­se­he­nen Begüns­ti­gun­gen (Frei­be­trag 225.000 € und ver­min­der­ter Wert­an­satz von 65%) fest.

Die steu­er­li­che Behand­lung von Erb­schaf­ten fällt nach stän­di­ger Recht­spre­chung des EuGH unab­hän­gig von der Art und Zusam­men­set­zung des über­ge­hen­den Ver­mö­gens unter die Ver­trags­be­stim­mun­gen über den Kapi­tal­ver­kehr. Danach liegt ein Ver­stoß gegen die Frei­heit des Kapi­tal­ver­kehrs vor, wenn Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen auf Erb­schaf­ten nur für Inlands‑, nicht jedoch für Aus­lands­ver­mö­gen gewährt wer­den.

Im Hin­blick dar­auf spre­chen nach Ansicht des BFH gute Grün­de dafür, so Dr. Gie­se­ler, dass eine Erb­schaft auch inso­weit in den Schutz­be­reich der Kapi­tal­ver­kehrs­frei­heit fällt, als sich dar­in Antei­le an einer aus­län­di­schen Kapi­tal­ge­sell­schaft befin­den.

Dies ist auf Ersu­chen des BFH vom EuGH bereits für Betriebs­ver­mö­gen im EU-Aus­land so ent­schie­den wor­den (EuGH-Urteil vom 17. Janu­ar 2008 C 256/06, Jäger, Slg). Dem hat der Gesetz­ge­ber im Rah­men der Neu­re­ge­lung der erb­schaft­steu­er­recht­li­chen Betriebs­ver­mö­gens­be­güns­ti­gun­gen ab 2009 Rech­nung getra­gen. Antei­le an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft, die Sitz oder Geschäfts­lei­tung weder im Inland noch in einem Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on oder in einem Staat des Euro­päi­schen Wirt­schafts­raums hat, gehö­ren aber wei­ter­hin nicht zum begüns­tig­ten (Betriebs-)Vermögen. 

Der BFH ist nun­mehr der Auf­fas­sung, dass Art. 56 Abs. 1 des Ver­trags zur Grün­dung der Euro­päi­schen Gemein­schaft (EG) in glei­cher Wei­se auch für Betriebs­ver­mö­gen in Dritt­staa­ten gel­ten müs­se. Denn nach Art. 56 Abs. 1 EG sind alle Beschrän­kun­gen des Kapi­tal­ver­kehrs zwi­schen den Mit­glied­staa­ten sowie zwi­schen den Mit­glied­staa­ten und drit­ten Län­dern ver­bo­ten.

Ob die­ser Rechts­stand­punkt zutrifft, kann auf­grund der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des EuGH nicht mit hin­rei­chen­der Sicher­heit beur­teilt wer­den und bedarf daher der Klä­rung durch den EuGH.

Gie­se­ler emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. auch auf die bun­des­weit mehr als 700 auf Erbrecht, Erb­schaft­steu­er­recht und Schei­dungs­recht spe­zia­li­sier­ten Rechts­an­wäl­te und Steu­er­be­ra­ter der DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., www.dansef.de ver­wies. 

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Dr. Nor­bert Gie­se­ler
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