(Stutt­gart) Für Kin­der, deren eige­nes Ein­kom­men über dem  maß­geb­li­chen Jah­res­grenz­be­trag in Höhe von 7.680 Euro liegt, besteht kein Anspruch auf Kin­der­geld. Die gesetz­li­che Rege­lung, wonach kein Anspruch auf Kin­der­geld besteht, wenn das eige­ne Ein­kom­men der Kin­der die­sen Grenz­be­trag über­schrei­tet, sei mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Fami­li­en­recht Mar­tin Weis­pfen­ning, Vize­prä­si­dent und Geschäfts­füh­rer „Fami­li­en­recht” der Deut­schen Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. (DANSEF) in Stutt­gart, unter Hin­weis auf den am 12. August 2010 ver­öf­fent­lich­ten Beschluss des  Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfG) vom 27. Juli 2010 — 2 BvR 2122/09.

Der Beschwer­de­füh­rer bezog für sei­nen Sohn, der sich in den Jah­ren 2002 bis 2006 in Berufs­aus­bil­dung befand, Kin­der­geld. Die Fami­li­en­kas­se bewil­lig­te für das Jahr 2005 kein Kin­der­geld, da die Ein­künf­te und Bezü­ge des Soh­nes den maß­geb­li­chen Jah­res­grenz­be­trag in Höhe von 7.680 Euro um 4,34 Euro über­schrit­ten. Die dage­gen gerich­te­te Kla­ge des Beschwer­de­füh­rers blieb vor den Finanz­ge­rich­ten ohne Erfolg.

Die 1. Kam­mer des Zwei­ten Senats des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts hat die hier­ge­gen erho­be­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, so Weis­pfen­ning. 

Die Annah­me­vor­aus­set­zun­gen lie­gen nicht vor, ins­be­son­de­re wird der Beschwer­de­füh­rer durch die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung sowie die gesetz­li­che Fest­le­gung des Grenz­be­trags in § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG nicht in sei­nen Grund­rech­ten aus Art. 3 Abs. 1 GG und Art. 6 Abs. 1 GG ver­letzt. 

Der durch Art. 6 Abs. 1 GG garan­tier­te staat­li­che Schutz von Ehe und Fami­lie gebie­tet, dass bei der Besteue­rung einer Fami­lie das Exis­tenz­mi­ni­mum sämt­li­cher Fami­li­en­mit­glie­der steu­er­frei blei­ben muss. Min­des­tens das, was der Gesetz­ge­ber dem Bedürf­ti­gen zur Befrie­di­gung sei­nes exis­tenz­not­wen­di­gen Bedarfs aus öffent­li­chen Mit­teln zur Ver­fü­gung stellt, muss er auch dem Ein­kom­mens­be­zie­her von des­sen Erwerbs­be­zü­gen belas­sen. 

Daher ist es ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, wenn der Gesetz­ge­ber die Gewäh­rung des Kin­der­frei­be­trags bezie­hungs­wei­se des Kin­der­gelds davon abhän­gig macht, dass das Exis­tenz­mi­ni­mum des Kin­des nicht durch eige­ne Ein­künf­te und Bezü­ge gedeckt ist. Typi­sie­rend darf der Gesetz­ge­ber hier­bei von dem für erwach­se­ne Steu­er­pflich­ti­ge gel­ten­den Grund­frei­be­trag aus­ge­hen. Die­ser liegt im Streit­jahr über den Leis­tun­gen in Form des Kin­der­frei­be­trags bezie­hungs­wei­se des Kin­der­gelds und über den vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als nicht evi­dent unzu­rei­chend ange­se­he­nen staat­li­chen Sozi­al­hil­fe­leis­tun­gen, so dass das Kin­der­exis­tenz­mi­ni­mum in jedem Fall vor dem steu­er­li­chen Zugriff ver­schont wird. Mehr gebie­tet das Sozi­al­staats­prin­zip (Art. 20 Abs. 1 GG) nicht. Ins­be­son­de­re gebie­tet es kei­ne mehr­fa­che Frei­stel­lung des Exis­tenz­mi­ni­mums, wie sie vom Beschwer­de­füh­rer dadurch ange­strebt wird, dass neben dem Exis­tenz­mi­ni­mum sei­nes Kin­des durch den Grund­frei­be­trag zusätz­lich noch der Kin­der­frei­be­trag bezie­hungs­wei­se Kin­der­geld gewährt wer­den soll, obwohl das Kind mit sei­nen Ein­künf­ten selbst in Höhe des Grund­frei­be­trags ver­schont bleibt. 

Die Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, die Grenz­be­trags­re­ge­lung des § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG geset­zes­tech­nisch als Frei­gren­ze und nicht als Frei­be­trags­re­ge­lung aus­zu­ge­stal­ten, liegt im Rah­men der ihm zuste­hen­den Typi­sie­rungs- und Pau­scha­lie­rungs­be­fug­nis und ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Die­se Rege­lung ver­ein­facht den Voll­zug der betrof­fe­nen Norm durch die Finanz­ver­wal­tung erheb­lich. Denn bei einer glei­ten­den Über­gangs­re­ge­lung durch einen Frei­be­trag ergä­be sich ein erheb­li­cher Ver­wal­tungs­mehr­auf­wand, da bei Ein­künf­ten und Bezü­gen des Kin­des über dem Grenz­be­trag jeweils deren genaue Höhe fest­ge­stellt und bei der Berech­nung des ver­blei­ben­den Kin­der­geld­an­spruchs der Eltern mit deren indi­vi­du­el­lem Steu­er­satz umge­rech­net wer­den müss­te.

Weis­pfen­ning emp­fahl, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. auch auf die auf Fami­li­en­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­tin­nen und Anwäl­te in der DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung  für Erb- und Fami­li­en­recht e. V —  www.dansef.de — ver­wies. 

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Mar­tin Weis­pfen­ning
Rechtsanwalt/Fachanwalt für Fami­li­en­recht
DAN­SEF-Vize­prä­si­dent und Geschäfts­füh­rer „Fami­li­en­recht“
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