(Stutt­gart) Nach einem soeben ver­öf­fent­lich­ten Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs haben Erben kei­nen Anspruch auf Aus­kunft aus der Erb­schaft­steu­er­ak­te, wenn die Akte nach amts­in­ter­ner Prü­fung mit dem Ver­merk “steu­er­frei” abge­schlos­sen wor­den ist.

Hier­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Erb- und Steu­er­recht, Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., Stutt­gart, unter Hin­weis auf das am 21.04.2010 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 23. Febru­ar 2010 — VII R 19/09.

In dem Fall war der im Jah­re 2002 ver­stor­be­ne Vater von sei­ner Toch­ter und sei­nen bei­den Söh­nen beerbt wor­den. Die Kre­dit­in­sti­tu­te des Ver­stor­be­nen hat­ten, wie es ihrer gesetz­li­chen Ver­pflich­tung im Todes­fall eines Kun­den obliegt, die Kon­ten­stän­de des Erb­las­sers am Tage des Todes dem Finanz­amt mit­ge­teilt. Erb­schaft­steu­er­be­schei­de gegen die drei Erben ergin­gen hier­auf­hin nicht, da die Steu­er­frei­be­trä­ge jeweils nicht über­schrit­ten waren. Das Finanz­amt leg­te die Akte dar­auf­hin mit dem Ver­merk „steu­er­frei” ab.

Ende 2006 bat die Toch­ter und Klä­ge­rin das Finanz­amt, ihr Kopi­en der von den Kre­dit­in­sti­tu­ten ein­ge­reich­ten Anzei­gen (Kon­to­stän­de, Kon­to- und Depot­aus­zü­ge) zu über­las­sen, da die sie die­se für den Erb­schafts­streit mit ihren Brü­dern benö­ti­ge. Das Finanz­amt lehn­te das mehr­fach ab und berief sich dabei auf das Steu­er­ge­heim­nis, das im Inter­es­se der bei­den Brü­der zu schüt­zen sei. Die nach erfolg­lo­sem Ein­spruchs­ver­fah­ren erho­be­ne Kla­ge, mit der die Klä­ge­rin die Über­las­sung der Kopi­en an die drei Geschwis­ter bean­trag­te, blieb erfolg­los. Das Finanz­ge­richt (FG) hielt die Kla­ge inso­weit für unzu­läs­sig, als die Über­las­sung der Kopi­en auch an die bei­den Brü­der bean­tragt wor­den war, und im Übri­gen des­halb für unbe­grün­det, weil es an einem Über­las­sungs­an­spruch feh­le. Solch ein Anspruch erge­be sich außer­halb eines Besteue­rungs­ver­fah­rens man­gels der erfor­der­li­chen “Son­der­ver­bin­dung” auch nicht aus Treu und Glau­ben.

So sah es auch der BFH, betont Gie­se­ler, und wies die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on der Erbin zurück.

Ein Erbe habe kei­nen Aus­kunfts­an­spruch gegen das Finanz­amt, wenn es gar nicht erst zu einer Besteue­rung gekom­men sei. Eine etwai­ge Aus­kunfts­pflicht des Finanz­am­tes set­ze ein abga­ben­recht­li­ches Rechts­ver­hält­nis zwi­schen der Klä­ge­rin und dem Finanz­amt vor­aus, was hier man­gels erfolg­ter Besteue­rung nicht gege­ben sei. Auch aus Treu und Glau­ben erge­be sich für die Erbin kein Infor­ma­ti­ons­an­spruch gegen das Finanz­amt, wenn die Aus­kunft nicht der Wahr­neh­mung von Rech­ten im Besteue­rungs­ver­fah­ren die­ne.

Eine sol­che Treue­pflicht zur Aus­kunfts­er­tei­lung sei nur dann aner­kannt, wenn die Aus­kunft zur Wah­rung von Rech­ten im Rah­men einer bestehen­den Son­der­ver­bin­dung unab­ding­bar sei.  Die Klä­ge­rin benö­ti­ge die gewünsch­ten Unter­la­gen hier aber nicht etwa zur Wah­rung von Rech­ten gegen­über dem Finanz­amt, son­dern im Erb­schafts­streit mit ihren Brü­dern. Es lie­ge auf der Hand, dass selbst aus einer bestehen­den abga­ben­recht­li­chen “Son­der­ver­bin­dung” kei­ne Treue­pflicht zur Unter­stüt­zung ver­fah­rens­frem­der Zwe­cke abzu­lei­ten sei. Es kom­me auch nicht dar­auf an, dass sich die Klä­ge­rin die erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen sonst mög­li­cher­wei­se selbst auf zumut­ba­re Wei­se nicht beschaf­fen kön­ne und dass die Aus­kunft vom Finanz­amt “unschwer” erteilt wer­den kön­ne.

Gie­se­ler emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen recht­li­chen und steu­er­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. auch auf die bun­des­weit mehr als 700 auf Erbrecht, Erb­schaft­steu­er­recht und Schei­dungs­recht spe­zia­li­sier­ten Rechts­an­wäl­te und Steu­er­be­ra­ter der DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., www.dansef.de ver­wies.

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