(Nürn­berg) Der unent­gelt­li­che Erwerb eines Kom­man­dit­an­teils durch einen Min­der­jäh­ri­gen an einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft, deren Tätig­keit sich auf die Ver­wal­tung des von den Gesell­schaf­tern selbst genutz­ten Wohn­hau­ses beschränkt, bedarf nicht der vor­mund­schafts­ge­richt­li­chen Geneh­mi­gung nach § 1822 Nr. 3 BGB.  

Dies, so der Nürn­ber­ger Erb- und Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent  der Deut­schen Anwalts-, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung  für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. (DANSEF) mit Sitz in Nürn­berg,  ist der Tenor eines soeben ver­öf­fent­lich­ten Urteils des OLG Mün­chen, Urteil vom 06.11.2008, AZ. 31 Wx 76/08. In dem aus­ge­ur­teil­ten Fall ging es um eine im  Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­ne Ver­wal­tungs KG von Ehe­leu­ten, deren  per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­te­rin die Ehe­frau war sowie Kom­man­di­tist ihr Ehe­mann mit einer Haft­ein­la­ge von 800 €. Zweck der Gesell­schaft ist aus­weis­lich des Gesell­schafts­ver­tra­ges vom 17.10.2006 die Ver­wal­tung eige­nen Ver­mö­gens.

Der Ehe­mann brach­te unter Nieß­brauchs­vor­be­halt ein bebau­tes Grund­stück mit einer Flä­che von 1.445 m² in die Gesell­schaft ein. Das Gebäu­de wird nach Anga­ben der Betei­lig­ten von der Fami­lie selbst bewohnt. Mit Über­las­sungs­ver­trag vom 17.10.2006 über­trug der Ehe­mann von sei­ner Kom­man­dit­ein­la­ge unter Vor­be­halt des Nieß­brauchs, im Übri­gen las­ten­frei je einen Teil von 200 € unent­gelt­lich im Wege der vor­weg­ge­nom­me­nen Erb­fol­ge auf sei­ne min­der­jäh­ri­gen Kin­der, und trat die Gesell­schafts­an­tei­le mit Wir­kung zum Zeit­punkt der Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter an sie ab. Die Kin­der wur­den bei Ver­trags­ab­schluss jeweils durch einen Ergän­zungs­pfle­ger ver­tre­ten. Mit Urkun­de vom sel­ben Tag wur­de u.a. die­se Rechts­än­de­rung zur Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter ange­mel­det.

Das zustän­di­ge Vor­mund­schafts­ge­richt teil­te mit Schrei­ben an den Urkunds­no­tar vom 12.2.2008 mit, der Über­las­sungs­ver­trag bedür­fe kei­ner vor­mund­schafts­ge­richt­li­chen Geneh­mi­gung, da Zweck der Gesell­schaft nur die Ver­wal­tung eigen­ge­nutz­ter Immo­bi­li­en sei. Das Regis­ter­ge­richt ver­lang­te hin­ge­gen jedoch die Vor­la­ge einer vor­mund­schafts­ge­richt­li­chen Geneh­mi­gung sowie der Nach­wei­se des Zugangs an die Ergän­zungs­pfle­ger und die übri­gen Gesell­schaf­ter. Die Beschwer­de der Betei­lig­ten wies das Land­ge­richt mit Beschluss vom 19.6.2006 zurück. Gegen die­se Ent­schei­dung rich­te­te sich die wei­te­re Beschwer­de vor dem OLG Mün­chen, wel­ches  nun die Ent­schei­dun­gen der Vor­in­stan­zen auf­hob, so Gie­se­ler.

Die­se hät­ten zu Unrecht den Voll­zug der Anmel­dung von der Vor­la­ge einer Geneh­mi­gung des Vor­mund­schafts­ge­richts abhän­gig gemacht, denn eine sol­che sei nicht erfor­der­lich für die schenk­wei­se Über­las­sung der Kom­man­dit­an­tei­le an der betei­lig­ten Gesell­schaft, die ein selbst­ge­nutz­tes Wohn­haus ver­wal­te. Nach dem Gesetz sei die vor­mund­schafts­ge­richt­li­che Geneh­mi­gung erfor­der­lich zu einem Gesell­schafts­ver­trag, der zum Betrieb eines Erwerbs­ge­schäfts ein­ge­gan­gen wer­de. Der Begriff des Erwerbs­ge­schäfts umfas­se jede regel­mä­ßig aus­ge­üb­te, auf selb­stän­di­gen Erwerb gerich­te­te Tätig­keit, die mit dem Wil­len zur Gewinn­erzie­lung aus­ge­übt wer­de und auf eine gewis­se Dau­er ange­legt sei. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sei­en bei der Ver­wal­tung pri­va­ten Ver­mö­gens, ins­be­son­de­re Grund­be­sit­zes, nicht in jedem Fall gege­ben, auch wenn die pri­va­te Ver­mö­gens­ver­wal­tung in gesell­schafts­recht­li­che Form gebracht wer­de. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Vor­in­stan­zen lie­ge nicht schon des­halb ein Erwerbs­ge­schäft vor, weil für die Ver­wal­tung des pri­va­ten Ver­mö­gens die Rechts­form der Kom­man­dit­ge­sell­schaft, mit­hin einer Han­dels­ge­sell­schaft, gewählt wur­de. § 1822 Nr. 3 BGB knüp­fe nicht an die Rechts­form der Gesell­schaft an, an der der Min­der­jäh­ri­ge betei­ligt wird, son­dern allein dar­an, ob der Gesell­schafts­ver­trag auf den Betrieb eines Erwerbs­ge­schäfts gerich­tet ist.

Gie­se­ler mahn­te, vor Abschluss der­ar­ti­ger Ver­trä­ge, die in der Regel einen steu­er­li­chen Hin­ter­grund hät­ten, immer auch steu­er­li­chen Rat ein­zu­ho­len, um das gewünsch­te Ergeb­nis auch zu errei­chen.

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