(Nürn­berg) Hau­fig wird ein­zel­nen Kin­dern bereits zu Leb­zei­ten Haus- und Grund­ei­gen­tum über­tra­gen, wobei sich die Eltern ein leben­lan­ges, unent­gelt­li­ches Niess­brauchs­recht vor­be­hal­ten.

Dies, so der Nürn­ber­ger Erb- und Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent  der Deut­schen Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung  für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. (DANSEF) mit Sitz in Nürn­berg, kann dann bedenk­lich sein, wenn der Beschenk­te spä­ter auch allei­ni­ger Erbe wird und es ande­re Kin­der gibt, die Pflicht­teil- und Pflicht­teils­er­gän­zungs­an­sprü­che nach § 2325 Abs. 1 BGB gel­tend machen. Nach die­ser Bestim­mung kann der Pflicht­teils­be­rech­tig­te bei vor­her erfolg­ten Schen­kun­gen an Drit­te als Ergän­zung des Pflicht­teils den Betrag ver­lan­gen, um den sich der Pflicht­teil erhöht, wenn der ver­schenk­te Gegen­stand dem Nach­lass hin­zu­ge­rech­net wird. Hier­bei gel­te:

 

* Eine ver­brauch­ba­re Sache kommt mit dem Wert in Ansatz, den sie zur Zeit der Schen­kung hat­te. Ein ande­rer Gegen­stand kommt mit dem Wert in Ansatz, den er zur Zeit des Erb­falls hat; hat­te er zur Zeit der Schen­kung einen gerin­ge­ren Wert, so wird nur die­ser in Ansatz gebracht.

 

* Die Schen­kung bleibt unbe­rück­sich­tigt, wenn zur Zeit des Erb­falls zehn Jah­re seit der Leis­tung des ver­schenk­ten Gegen­stands ver­stri­chen sind; ist die Schen­kung an den Ehe­gat­ten des Erb­las­sers erfolgt, so beginnt die Frist nicht vor der Auf­lö­sung der Ehe.

In einem nun vom Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­richt aus­ge­ur­teil­ten Fall vom 25.11.2008, Az. 3 U 11/08, hat­te die am 15. Mai 2005 ver­stor­be­ne Mut­ter ihrer Toch­ter bereits im Jah­re 1978 ein Grund­stück geschenkt, bei dem sie sich den lebens­läng­li­chen Nieß­brauch vor­be­hal­ten hat­te. Gleich­zei­tig hat­te die Mut­ter die Toch­ter auch zur allei­ni­gen Erbin ein­ge­setzt. Nach dem Tode mach­te nun ihr Bru­der sei­nen Pflicht­teil gel­tend und for­der­te auch ein Vier­tel Anteil von dem Wert des bereits 1978 an sei­ne Schwes­ter ver­schenk­ten Grund­stücks.

Zu Recht, befan­den nun die Rich­ter vom Schles­wig-Hol­stei­ni­schen OLG, so Gie­se­ler. Der Klä­ger habe wegen der Schen­kung vom 3. Novem­ber 1978 einen Pflicht­teils­er­gän­zungs­an­spruch aus § 2325 Abs. 1 BGB. Die Schen­kung sei berück­sich­ti­gungs­fä­hig, weil sie inner­halb der Zehn­jah­res­frist des § 2325 Abs. 3 BGB lie­ge. Für den Frist­be­ginn sei der Zeit­punkt der Leis­tung maß­geb­lich. Dies sei bei einer Grund­stücks­schen­kung unter Nieß­brauchs­vor­be­halt nicht etwa der Zeit­punkt des Eigen­tums­über­gangs, son­dern nach einer BGH Ent­schei­dung aus dem Jah­re 1994 (3 W 59/06) erst der, in dem der Nieß­brauch weg­fällt, also hier mit dem Tode der Mut­ter im Jah­re 2005. Das wer­de damit begrün­det, dass eine Leis­tung im Sin­ne des § 2325 Abs. 3 BGB erst vor­lie­ge, wenn der Erb­las­ser den “Genuss” des ver­schenk­ten Gegen­stan­des nach der Schen­kung tat­säch­lich ent­beh­ren muss. Dies sei so lan­ge nicht der Fall, als ihm der Nieß­brauch zusteht.

Im vor­lie­gen­den Fall, so Gie­se­ler, führ­te dies dazu, dass die Erbin rd. 24.000 € zusätz­lich an ihren Bru­der zah­len muss­te. Er mahn­te daher, sich vor dem Abschluss der­ar­ti­ger Ver­trä­ge umfas­send recht­lich bera­ten zu las­sen, um auch das gewünsch­te Ergeb­nis zu errei­chen.

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