(Stutt­gart) Da der Pflicht­teils­be­rech­tig­te ein berech­tig­tes Inter­es­se dar­an hat, sich Kennt­nis vom Umfang des Nach­las­ses und damit von der Höhe sei­nes Pflicht­teils­an­spruchs zu ver­schaf­fen, umfasst das Recht auf Akten­ein­sicht auch die Nach­las­s­auf­stel­lung. Dass die­se Auf­stel­lung für einen ande­ren Zweck erstellt wur­de, steht dem berech­tig­ten Inter­es­se des Pflicht­teils­be­rech­tig­ten nicht ent­ge­gen. 

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Erb- und Steu­er­recht sowie Han­dels- und Gesell­schafts­recht Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., Stutt­gart, unter Hin­weis auf einen Beschluss des Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richts (OLG) vom 09.08.2011 — 6 W 206/11.

In dem Fall hat­te die am 04.07.2010 ver­stor­be­ne Erb­las­se­rin zwei Söh­ne, von denen sie durch Tes­ta­ment nur einen zum Allein­er­ben ein­ge­setzt hat­te, wäh­rend der ande­re „leer” aus­ging und damit einen Pflicht­teils­an­spruch von einem Vier­tel Erb­an­teil gegen sei­nen Bru­der gel­tend machen konn­te. Durch sei­nen Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten bean­trag­te er Ein­sicht in die Nach­lass­ak­te, die vom Amts­ge­richt — Nach­lass­ge­richt — Wei­mar auch gewährt wur­de. Aller­dings wur­de dabei vom Nach­lass­ge­richt vor Ertei­lung der Akten­ein­sicht das Nach­lass­ver­zeich­nis über die Erb­ge­gen­stän­de her­aus­ge­nom­men, woge­gen sich der Pflicht­teils­be­rech­tig­te zunächst gegen­über dem Nach­lass­ge­richt erfolg­los wehr­te, nun aber vom Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt Recht bekam, so Dr. Gie­se­ler.

Gemäß § 13 Abs. 1 FamFG ste­he dem Beschwer­de­füh­rer ein Recht auf Akten­ein­sicht zu. Von die­sem Recht sei ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Nach­lass­ge­richts die Nach­las­s­auf­stel­lung auch nicht aus­ge­nom­men. Der Beschwer­de­füh­rer habe als Pflicht­teils­be­rech­tig­ter ein berech­tig­tes Inter­es­se dar­an, sich Kennt­nis vom Umfang des Nach­las­ses und damit von der Höhe sei­nes Pflicht­teils­an­spruchs zu ver­schaf­fen, weil dies sein Vor­ge­hen gegen den Erben und Pflicht­teils­schuld­ner beein­flus­sen kön­ne. Zur Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung kön­ne dabei — neben ande­ren Erkennt­nis­quel­len — auch die im Rah­men des Erb­schein­ver­fah­rens von dem Erben gefer­tig­te Nach­las­s­auf­stel­lung die­nen. Dass die­se Auf­stel­lung für einen ande­ren Zweck, die Ermitt­lung des Geschäfts­wer­tes, vom Nach­lass­ge­richt ver­langt und vom Erben erstellt wur­de, ste­he einem berech­tig­ten Inter­es­se des Pflicht­teils­be­rech­tig­ten nicht ent­ge­gen.

Dem Ein­sichts­recht des Beschwer­de­füh­rers ste­he auch nicht ent­ge­gen,
dass die­ser ande­re Mög­lich­kei­ten habe, sich Kennt­nis über den Nach­lass­be­stand zu ver­schaf­fen, ins­be­son­de­re einen unmit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruch nach § 2314 BGB gegen den Erben und Schuld­ner des Pflicht­teils­an­spruchs. Das berech­tig­te Inter­es­se wer­de nicht dadurch aus­ge­schlos­sen, dass die Infor­ma­tio­nen auch auf ande­re Wei­se beschafft wer­den könn­ten, zumal die gericht­li­che Gel­tend­ma­chung des Aus­kunfts­an­spruchs mit Kos­ten ver­bun­den sei.

Dr. Gie­se­ler emp­fahl, dies zu beach­ten sowie ggfs. recht­li­chen und steu­er­li­chen  Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. auch auf die bun­des­weit mehr als 700 auf Erbrecht, Erb­schaft­steu­er­recht und Schei­dungs­recht spe­zia­li­sier­ten Rechts­an­wäl­te und Steu­er­be­ra­ter der DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., www.dansef.de ver­wies.

 

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