(Stutt­gart) Die Geneh­mi­gung eines pri­va­ten Bestat­tungs­plat­zes für eine Urne, z. B. im eige­nen Gar­ten, kommt nur in Betracht, wenn ein berech­tig­tes Bedürf­nis (aty­pi­sche Gege­ben­heit oder Här­te­fall) nach­ge­wie­sen wird.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Erbrecht Micha­el Henn, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied der Deut­schen Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. (DANSEF) mit Sitz in Stutt­gart unter Hin­weis auf ein am 11.12.2009 ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts (VG) Trier vom 23. Novem­ber 2009, Az.: 1 K 447/09.TR.

Der Ent­schei­dung lag die Kla­ge eines Grund­stücks­ei­gen­tü­mers zugrun­de, der gegen­über dem beklag­ten Land­kreis Trier-Saar­burg gel­tend mach­te, er hege den tie­fen Wunsch, pri­vat auf sei­nem Grund­stück beer­digt zu wer­den. Die­ser Wunsch sei von sei­nen Grund­rech­ten getra­gen. Bei Auf­he­bung des Fried­hofs­zwangs für Urnen dro­he kei­ne Ver­let­zung der post­mor­ta­len Wür­de. Viel­mehr sei ein pie­tät­vol­les Geden­ken auf dem eige­nen Grund­stück bes­ser prak­ti­ka­bel und per­sön­li­cher zu gestal­ten. Öffent­li­che Inter­es­sen stün­den sei­nem Wunsch nicht ent­ge­gen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier schloss sich die­ser Sicht­wei­se indes nicht an, betont Henn.

Der rhein­land-pfäl­zi­sche Gesetz­ge­ber habe sich dafür ent­schie­den, Erd- und Feu­er­be­stat­tun­gen außer­halb von Fried­hö­fen für den Regel­fall zu ver­bie­ten und die­se nur in ganz beson­ders gela­ger­ten Aus­nah­me­fäl­len zu erlau­ben. Dies ste­he in Ein­klang mit den Grund­rech­ten. Die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit, auf die der Klä­ger sein Begeh­ren stüt­ze, wer­de vom Grund­ge­setz nicht schran­ken­los gewähr­leis­tet, son­dern fin­de ihre Beschrän­kung in legi­ti­men öffent­li­chen Inter­es­sen. Die­se beruh­ten im hie­si­gen Kul­tur­kreis auf einer über Jahr­hun­der­te her­ge­brach­ten Gepflo­gen­heit, die Toten grund­sätz­lich nur auf den dafür beson­ders vor­ge­se­he­nen Tei­len eines Gemein­de­ge­bie­tes zu bestat­ten.

Die ratio­nal mög­li­cher­wei­se nicht ohne wei­te­res fass­ba­re, aber vor­han­de­ne all­ge­mei­ne Scheu vor dem Tod und die damit ein­her­ge­hen­den psy­chi­schen Aus­strah­lungs­wir­kun­gen auch von Urnen­be­gräb­nis­stät­ten gehör­ten zu den legi­ti­men, schüt­zens­wer­ten Inter­es­sen der All­ge­mein­heit, die den Gesetz­ge­ber zum Erlass der in Streit ste­hen­den Vor­schrif­ten des Bestat­tungs­ge­set­zes ver­an­las­sen durf­te. Auch kön­ne die durch das Grund­ge­setz geschütz­te Toten­ru­he am bes­ten auf den dafür beson­ders aus­ge­wie­se­nen und damit auch der Kon­trol­le der All­ge­mein­heit unter­ste­hen­den Flä­chen gewähr­leis­tet wer­den.

Nur wenn beson­de­re ört­li­che Ver­hält­nis­ses ein Fest­hal­ten am Fried­hofs­zwang unzu­mut­bar machen wür­den, etwa weil der nächs­te Fried­hof sehr weit ent­fernt und die Grab­pfle­ge durch die Hin­ter­blie­be­nen in nicht mehr zumut­ba­rer Wei­se erschwert wür­de, sei eine Aus­nah­me denk­bar. Bei der Bestat­tung ein­zel­ner bedeu­ten­der Per­sön­lich­kei­ten, denen durch die Errich­tung einer pri­va­ten Begräb­nis­stät­te eine beson­de­re Ehre zuteil­wer­den sol­le oder für eige­ne Bestat­tungs­plät­ze einer grö­ße­ren, geschlos­se­nen Per­so­nen­ge­mein­schaft, wie etwa im Fal­le eines Klos­ters, sei­en eben­falls Aus­nah­men denk­bar. Eine enge Ver­bun­den­heit zum eige­nen Grund­stück und eine gro­ße Natur­ver­bun­den­heit sei­en dem­ge­gen­über kei­ne eine Aus­nah­me recht­fer­ti­gen­den Beson­der­hei­ten. Ande­ren­falls könn­te das Urnen­be­gräb­nis auf einem pri­va­ten Bestat­tungs­platz ohne wei­te­res zur Regel wer­den, was der Gesetz­ge­ber indes aus­drück­lich habe ver­hin­dern wol­le.

Gegen die Ent­schei­dung kön­nen die Betei­lig­ten inner­halb eines Monats die Zulas­sung der Beru­fung durch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz bean­tra­gen.

Henn emp­fahl daher, den einen etwai­gen Fort­gang zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len Rechts­rat in Anspruch zu neh­men und ver­wies dabei u. a. auch auf die bun­des­weit mehr als 700 auf Erbrecht, Erb­schaft­steu­er­recht und Fami­li­en-/Schei­dungs­recht spe­zia­li­sier­ten Rechts­an­wäl­te und Steu­er­be­ra­ter der DANSEF Deut­sche Anwalts‑, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., www.dansef.de

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