(Stutt­gart) Der u.a. für das Fami­li­en­recht zustän­di­ge XII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass die gesetz­li­che Rege­lung im süd­afri­ka­ni­schen Recht, nach der bei einer gleich­ge­schlecht­li­chen Ehe die Ehe­frau der Mut­ter mit der Geburt kraft Geset­zes zwei­ter Eltern­teil (sog. Co-Mut­ter) des Kin­des wird, in Deutsch­land anzu­er­ken­nen ist.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Fami­li­en­recht Mar­tin Weis­pfen­ning, Vize­prä­si­dent und Geschäfts­füh­rer „Fami­li­en­recht“ der Deut­schen Anwalts-, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 15.06.2106 zu sei­nem Beschluss vom 20. April 2016 — XII ZB 15/15 .

Die Betei­lig­te zu 1, die die deut­sche und süd­afri­ka­ni­sche Staats­bür­ger­schaft besitzt, und die Betei­lig­te zu 2, die süd­afri­ka­ni­sche Staats­bür­ge­rin ist, leben in Süd­afri­ka und schlos­sen dort im Janu­ar 2008 eine gleich­ge­schlecht­li­che Ehe (“civil uni­on type mar­ria­ge”). Die Betei­lig­te zu 2 hat 2010 das betrof­fe­ne Kind gebo­ren, das auf­grund eines gemein­sa­men Ent­schlus­ses bei­der Part­ne­rin­nen durch künst­li­che Befruch­tung gezeugt wor­den war. Unter Beru­fung auf das süd­afri­ka­ni­sche Recht bean­trag­ten die Part­ne­rin­nen die Ein­tra­gung der Aus­lands­ge­burt im deut­schen Gebur­ten­re­gis­ter. Das Stan­des­amt (Betei­lig­ter zu 4) lehn­te die Beur­kun­dung ab. Der Antrag, das Stan­des­amt zu der Beur­kun­dung anzu­wei­sen, wur­de vom Amts­ge­richt zurück­ge­wie­sen. Auf die Beschwer­de des Kin­des und der Betei­lig­ten zu 1 und 2 wies das Beschwer­de­ge­richt das Stan­des­amt an, die Geburt des Kin­des und die Betei­lig­ten zu 1 und 2 als sei­ne Eltern ein­zu­tra­gen. Dage­gen leg­te die zustän­di­ge Stan­des­amts­auf­sicht (Betei­lig­te zu 3) Rechts­be­schwer­de ein.

Die Rechts­be­schwer­de hat­te kei­nen Erfolg. Die Aus­lands­ge­burt ist nach § 36 Abs. 1 PStG im deut­schen Gebur­ten­re­gis­ter ein­zu­tra­gen, weil das Kind im Rechts­sin­ne von der Ehe­frau der Mut­ter abstammt und es somit auch die für die Ein­tra­gung erfor­der­li­che deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit besitzt. Für die recht­li­che Abstam­mung ist hier nach Art. 19 Abs. 1 EGBGB das Recht des Staa­tes maß­geb­lich, in dem das Kind sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat. Das ist im vor­lie­gen­den Fall das süd­afri­ka­ni­sche Recht, wel­ches dem Kind bei­de Part­ne­rin­nen als Eltern zuord­net.

Die recht­li­che Eltern-Kind-Zuord­nung schei­tert nicht schon an der im deut­schen Recht für ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaf­ten vor­ge­se­he­nen soge­nann­ten Kap­pungs­gren­ze (Art. 17 b Abs. 4 EGBGB), nach der die Wir­kun­gen einer im Aus­land ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft kraft Geset­zes auf die vom deut­schen Recht vor­ge­se­he­nen Wir­kun­gen begrenzt wer­den. Zwar ist auch eine im Aus­land geschlos­se­ne gleich­ge­schlecht­li­che Ehe nach den Regeln über die ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft als ihrer Ent­spre­chung im deut­schen Recht zu beur­tei­len und die Regeln über die Ehe, die aus deut­scher Sicht wegen der Gleich­ge­schlecht­lich­keit der Part­ner zu einer Unwirk­sam­keit der Ehe­schlie­ßung füh­ren wür­den, sind nicht anwend­bar. Die für ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaf­ten vor­ge­se­he­ne Kap­pungs­gren­ze greift aber des­we­gen nicht ein, weil die Zuord­nung des Kin­des zur Ehe­frau der Mut­ter als beson­de­re abstam­mungs­recht­li­che Bestim­mung, nicht aber als Wir­kung der Lebens­part­ner­schaft im Sin­ne von Art. 17 b Abs. 4 EGBGB anzu­se­hen ist.

Die Aner­ken­nung der süd­afri­ka­ni­schen Rechts­la­ge schei­tert auch nicht wegen Ver­sto­ßes gegen den soge­nann­ten ord­re public. Danach ist eine Aner­ken­nung zu ver­sa­gen, wenn das aus­län­di­sche Recht mit wesent­li­chen Grund­sät­zen des deut­schen Rechts offen­sicht­lich unver­ein­bar ist (Art. 6 EGBGB). Eine gleich­ge­schlecht­li­chen Lebens­part­nern zuge­wie­se­ne Eltern­stel­lung kann für sich genom­men kei­ne Ver­let­zung des ord­re public zur Fol­ge haben. Viel­mehr ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Ver­hält­nis­se einer recht­lich ver­fes­tig­ten gleich­ge­schlecht­li­chen Part­ner­schaft das Auf­wach­sen von Kin­dern eben­so för­dern kön­nen wie die einer Ehe. Das Kin­des­wohl steht mit­hin der Aner­ken­nung nicht ent­ge­gen.

Weis­pfen­ning emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fäl­len Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. auch auf die bun­des­weit mehr als 700 auf Erbrecht, Erb­schaft­steu­er­recht und Schei­dungs­recht spe­zia­li­sier­ten Rechts­an­wäl­te und Steu­er­be­ra­ter der DANSEF Deut­sche Anwalts-, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., www.dansef.de ver­wies.

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