(Stutt­gart) Bestim­men Kin­des­el­tern die Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit ihres Kin­des, bleibt die­se Bestim­mung auch dann ver­bind­lich, wenn das Kind — nach einem Ent­zug der elter­li­chen Sor­ge unter vor­mund­schaft­li­cher Ver­ant­wor­tung des Jugend­am­tes — in einer Pfle­ge­fa­mi­lie auf­wächst, die einer ande­ren Reli­gi­on ange­hört und nach die­ser lebt. Der Vor­mund ist dann nicht befugt, die Erst­be­stim­mung der leib­li­chen Eltern zu ändern.

Das, so der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Fami­li­en­recht Mar­tin Weis­pfen­ning, Vize­prä­si­dent und Geschäfts­füh­rer „Fami­li­en­recht“ der Deut­schen Anwalts-, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Pres­se­no­tiz des Gerichts vom 6.05.2016 hat der 2. Senat für Fami­li­en­sa­chen des Ober­lan­des­ge­richts Hamm am 29.03.2016 in einer vom Amts­ge­richt — Fami­li­en­ge­richt — Dors­ten in ers­ter Instanz ent­schie­de­nen Fami­li­en­sa­che beschlos­sen und damit den Antrag des Vor­mun­des, die römisch-katho­li­sche Erzie­hung des Kin­des zu geneh­mi­gen, zurück­ge­wie­sen (Az. 2 UF 223/15).

Die im 1986 Jah­re gebo­re­ne Ver­fah­rens­be­tei­lig­te aus Duis­burg ist Mut­ter der im Jah­re 2007 gebo­re­nen Toch­ter. Die Kin­des­mut­ter stammt aus einem Land Nord­afri­kas und ist mus­li­mi­schen Glau­bens. Der im Jah­re 1968 in Duis­burg gebo­re­ne, nicht sor­ge­be­rech­tig­te Kin­des­va­ter stammt von evan­ge­li­schen Eltern ab.

Unmit­tel­bar nach der Geburt nahm das Jugend­amt das Kind in Obhut und ver­brach­te es in eine Bereit­schafts­pfle­ge­fa­mi­lie. Tags dar­auf ent­zog das Fami­li­en­ge­richt der Mut­ter Tei­le der elter­li­chen Sor­ge, u.a. das Auf­ent­halts­be­stim­mungs­recht und das Recht der Gesund­heits­für­sor­ge. In dem danach durch­ge­führ­ten Sor­ge­rechts­ver­fah­ren brach­te die Kin­des­mut­ter in meh­re­ren an das Fami­li­en­ge­richt gerich­te­ten Schrei­ben ihre Erwar­tung zum Aus­druck, dass das Kind nach dem mus­li­mi­schen Glau­ben groß gezo­gen wer­den sol­le. In die­sem Sin­ne äußer­te sie sich auch gegen­über der in dem Ver­fah­ren bestell­ten Sach­ver­stän­di­gen.

Im Jah­re 2008 ent­zog das Fami­li­en­ge­richt der Kin­des­mut­ter die elter­li­che Sor­ge und über­trug die­se dem Jugend­amt als Vor­mund. Seit dem Jah­re 2009 lebt das Kind inko­gni­to in einer Dau­er­pfle­ge­fa­mi­lie, die ihre eige­nen Kin­der nach christ­li­chen Wert­vor­stel­lun­gen erzieht und römisch-katho­lisch tau­fen ließ. Nach den Vor­stel­lun­gen der Pfle­ge­el­tern und des Vor­mun­des soll die Pfle­ge­toch­ter katho­lisch getauft wer­den, damit sie nach ihrer Teil­nah­me am katho­li­schen Reli­gi­ons­un­ter­richt auch die Erst­kom­mu­ni­on emp­fan­gen kann. Dies ent­spre­che, so die­se Betei­lig­ten, auch dem Wunsch des Kin­des.

Das Fami­li­en­ge­richt hat die vom Vor­mund getrof­fe­ne Anord­nung, das Pfle­ge­kind in der römisch-katho­li­schen Reli­gi­on zu erzie­hen, geneh­migt. Dage­gen rich­tet sich die Beschwer­de der Kin­des­mut­ter, die mit einer Tau­fe ihrer Toch­ter und ihrer römisch-katho­li­schen Erzie­hung nicht ein­ver­stan­den ist.

Die Beschwer­de war erfolg­reich. Der 2. Senat für Fami­li­en­sa­chen des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hat die fami­li­en­ge­richt­li­che Geneh­mi­gung, das Pfle­ge­kind nach dem römisch-katho­li­schen Glau­ben zu erzie­hen, abge­lehnt.

Der Vor­mund kön­ne die (römisch-katho­li­sche) Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit des Kin­des, so der Senat, nicht mehr bestim­men. Das lie­ßen die Vor­schrif­ten des Geset­zes über die reli­giö­se Kin­der­er­zie­hung nicht zu. Die Kin­des­mut­ter habe zuvor ent­schie­den, dass ihre Toch­ter nach dem mus­li­mi­schen Glau­ben erzo­gen wer­den sol­le. An die­se Erst­be­stim­mung sei der Vor­mund gebun­den. Das Gesetz über die reli­giö­se Kin­der­er­zie­hung erlau­be ihm nicht, die­se zu ändern.

Ihr Erst­be­stim­mungs­recht habe die Kin­des­mut­ter noch vor dem voll­stän­di­gen Ent­zug der elter­li­chen Sor­ge aus­ge­übt. Das erge­be sich aus ihren im Sor­ge­rechts­ver­fah­ren doku­men­tier­ten schrift­li­chen und per­sön­li­chen Äuße­run­gen. Zu Zeit­punkt die­ser Äuße­run­gen sei die Kin­des­mut­ter noch Inha­be­rin des zur reli­giö­sen Erzie­hung des Kin­des berech­ti­gen­den Teils der elter­li­chen Sor­ge gewe­sen.

Nach dem ein­schlä­gi­gen Gesetz sei inso­weit uner­heb­lich, ob die­se Ent­schei­dung auf heu­ti­ger Sicht dem Kin­des­wohl ent­spre­che. Uner­heb­lich sei auch, dass die Kin­des­mut­ter zu kei­ner Zeit in der Lage gewe­sen sei, mit ihrem Kind ihre Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit zu leben. Die maß­geb­li­che gesetz­li­che Vor­schrift erfor­de­re ledig­lich ein nach außen doku­men­tier­tes Bekennt­nis der Kin­des­el­tern zur Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit des Kin­des. Ein sol­ches Bekennt­nis habe die Kin­des­mut­ter abge­ge­ben.

Weis­pfen­ning emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fäl­len Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. auch auf die bun­des­weit mehr als 700 auf Erbrecht, Erb­schaft­steu­er­recht und Schei­dungs­recht spe­zia­li­sier­ten Rechts­an­wäl­te und Steu­er­be­ra­ter der DANSEF Deut­sche Anwalts-, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., www.dansef.de ver­wies.

 

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