(Stutt­gart) Das Ober­lan­des­ge­richt (OLG) Nürn­berg hat ent­schie­den, dass Hun­de, wel­che als Haus­tie­re für das Zusam­men­le­ben von Ehe­gat­ten bestimmt waren, gemäß § 1361a Abs. 2 BGB im Rah­men der Haus­rats­ver­tei­lung nach Bil­lig­keits­ge­sichts­punk­ten einem Ehe­gat­ten zuzu­wei­sen sind, wobei die Wer­tung des § 90a BGB, wonach Tie­re kei­ne Sachen sind, zu berück­sich­ti­gen ist.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Fami­li­en­recht Mar­tin Weis­pfen­ning, Vize­prä­si­dent und Geschäfts­füh­rer „Fami­li­en­recht“ der Deut­schen Anwalts-, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des OLG Nürn­berg zu dem kürz­lich ergan­ge­nen Beschluss, Az. 10 UF 1429/16)

Die Betei­lig­ten sind getrennt leben­de Ehe­leu­te, wel­che in ihrem gemein­sa­men Haus­stand zuletzt sechs Hun­de hiel­ten. Die­se Hun­de hol­te die Ehe­frau kurz nach ihrem Aus­zug aus dem ehe­li­chen Anwe­sen zu sich und küm­mer­te sich in der Fol­ge­zeit um sie; zwei der Hun­de ver­star­ben zeit­nah nach dem Aus­zug. Der Ehe­mann bean­trag­te beim Amts­ge­richt im Rah­men des dort wegen der Haus­rats­tei­lung geführ­ten Ver­fah­rens die Her­aus­ga­be von zwei Hun­den und deren Zuwei­sung als Haus­halts­ge­gen­stand an ihn. Das Amts­ge­richt lehn­te die­sen Antrag ab und ent­schied, dass alle Hun­de bei der Ehe­frau ver­blei­ben soll­ten. Gegen die­se Ent­schei­dung hat der Antrag­stel­ler Beschwer­de zum Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg ein­ge­legt. Der 10. Fami­li­en­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Nürn­berg hat die Beschwer­de des Ehe­man­nes zurück­ge­wie­sen. Der Senat führt aus, dass Hun­de, auch wenn es sich um Lebe­we­sen han­delt, Haus­halts­ge­gen­stän­de im Sin­ne des § 1361a BGB sind. Die Zuwei­sung müs­se daher, da die Tie­re nicht im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten stan­den, nach Bil­lig­keits­ge­sichts­punk­ten gemäß § 1361a Abs. 2 BGB erfol­gen.

Bei die­ser Ent­schei­dung sei­en meh­re­re Kri­te­ri­en zu berück­sich­ti­gen, wel­che der Senat im Ein­zel­nen dar­legt. Ins­be­son­de­re kön­ne auch das Affek­ti­ons­in­ter­es­se eine Rol­le spie­len. Das Ober­lan­des­ge­richt konn­te jedoch nicht fest­stel­len, dass einer der Ehe­leu­te ein grö­ße­res Inter­es­se gehabt hät­te.

Nach­dem vor­ran­gi­ge Ent­schei­dungs­kri­te­ri­en nicht zu einem ein­deu­ti­gen Ergeb­nis geführt hat­ten, waren Gesichts­punk­te des Tier­schut­zes maß­geb­lich. Dabei ließ der Senat die Wer­tung des § 90a BGB mit­ein­flie­ßen, wonach Tie­re kei­ne Sachen sind, da der Gesetz­ge­ber sich hier zum ethisch fun­dier­ten Tier­schutz bekannt habe.

Der Senat stell­te zunächst fest, dass das kör­per­li­che Wohl der Hun­de weder bei der Zuwei­sung an den Ehe­mann noch bei der Zuwei­sung an die Ehe­frau gefähr­det wäre, weil bei­de sich glei­cher­ma­ßen um die Hun­de küm­mern könn­ten. Die Ehe­frau erfah­re hier­bei Unter­stüt­zung durch ihren neu­en Lebens­ge­fähr­ten und des­sen Mut­ter. Für nicht – auch nicht ana­log – anwend­bar hielt der Senat kind­schafts­recht­li­che Erwä­gun­gen über die Fremd­be­treu­ung von Kin­dern.

Maß­geb­lich für die Ent­schei­dung war letzt­lich, dass bei einer Zuwei­sung von zwei Hun­den an den Ehe­mann das Rudel erneut aus­ein­an­der­ge­ris­sen wür­de. Die Hun­de hat­ten sich in den ver­gan­ge­nen Mona­ten durch den Aus­zug aus dem ehe­li­chen Anwe­sen, den Tod eines Teils der Tie­re, den Ver­lust des Ehe­manns als „Rudel­mit­glied“ und das Ken­nen­ler­nen des Lebens­ge­fähr­ten der Ehe­frau an zahl­rei­che neue Umstän­de gewöh­nen müs­sen. Ein erneu­ter Umge­bungs­wech­sel und die Tren­nung von der seit einem drei­vier­tel Jahr maß­geb­li­chen Bezugs­per­son ist den Hun­den nach Auf­fas­sung des Fami­li­en­se­nats nicht zumut­bar.

Weis­pfen­ning emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fäl­len Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. auch auf die bun­des­weit mehr als 700 auf Erbrecht, Erb­schaft­steu­er­recht und Schei­dungs­recht spe­zia­li­sier­ten Rechts­an­wäl­te und Steu­er­be­ra­ter der DANSEF Deut­sche Anwalts-, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., www.dansef.de ver­wies.

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