(Stutt­gart) Zahlt eine GmbH unter Mit­wir­kung des Gesell­schaf­ters einen über­höh­ten Miet­zins oder Kauf­preis an eine dem Gesell­schaf­ter nahe­ste­hen­de Per­son, liegt hier­in kei­ne Schen­kung der GmbH an die nahe­ste­hen­de Per­son. Wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit drei Urtei­len unter Ände­rung der recht­li­chen Beur­tei­lung ent­schie­den hat, kann viel­mehr eine Schen­kung des Gesell­schaf­ters an die ihm z.B. als Ehe­gat­te nahe­ste­hen­de Per­son gege­ben sein.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Erb- und Steu­er­recht sowie Han­dels- und Gesell­schafts­recht Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DANSEF Deut­sche Anwalts-, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 24.01.2018 zu sei­nen Urtei­len vom 13. Sep­tem­ber 2017 — II R 54/15, II R 32/16 und II R 42/16.

In den Streit­fäl­len II R 54/15 und II R 32/16 hat­ten die Klä­ger Grund­stü­cke an eine GmbH ver­mie­tet. Sie waren jeweils die Ehe­gat­ten der Gesell­schaf­ter der GmbH. Die Gesell­schaf­ter hat­ten die Ver­trä­ge mit unter­schrie­ben oder als Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer abge­schlos­sen. Im Streit­fall II R 42/16 ver­äu­ßer­te der Klä­ger Akti­en an eine GmbH. Er war der Bru­der des Gesell­schaf­ters, der den Kauf­preis bestimmt hat­te. Die bei den GmbHs durch­ge­führ­ten Außen­prü­fun­gen erga­ben, dass Miet­zins und Kauf­preis über­höht waren und inso­weit ertrag­steu­er­recht­lich ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tun­gen der GmbHs an ihre Gesell­schaf­ter vor­la­gen. Die Finanz­äm­ter sahen die über­höh­ten Zah­lun­gen zudem schen­kungsteu­er­recht­lich als gemisch­te frei­ge­bi­ge Zuwen­dun­gen der GmbHs an die nahe­ste­hen­den Per­so­nen an und besteu­er­ten die­se nach § 7 Abs. 1 Nr. 1 des Erb­schaft­steu­er­ge­set­zes (ErbStG).

Der BFH ist dem auf­grund einer geän­der­ten Beur­tei­lung nicht gefolgt (vgl. zur bis­he­ri­gen Recht­spre­chung BFH-Urteil vom 7. Novem­ber 2007 II R 28/06, BFHE 218, 414, BSt­Bl II 2008, 258). Die Zah­lung über­höh­ter ver­trag­li­cher Ent­gel­te durch eine GmbH an eine dem Gesell­schaf­ter nahe­ste­hen­de Per­son ist danach kei­ne gemisch­te frei­ge­bi­ge Zuwen­dung der GmbH i.S. des § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG an die nahe­ste­hen­de Per­son, wenn der Gesell­schaf­ter beim Abschluss der Ver­ein­ba­rung zwi­schen der GmbH und der nahe­ste­hen­den Per­son mit­ge­wirkt hat. Die Mit­wir­kung des Gesell­schaf­ters kann dar­in bestehen, dass er den Ver­trag zwi­schen GmbH und nahe­ste­hen­der Per­son als Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer abschließt, als Gesell­schaf­ter mit unter­zeich­net, dem Geschäfts­füh­rer eine Anwei­sung zum Ver­trags­ab­schluss erteilt, in sons­ti­ger Wei­se auf den Ver­trags­ab­schluss hin­wirkt oder die­sem zustimmt.

Grund für die Zah­lung des über­höh­ten Miet­zin­ses oder Kauf­prei­ses durch die GmbH an den Ehe­gat­ten oder Bru­der ist in einem sol­chen Fall das bestehen­de Gesell­schafts­ver­hält­nis zwi­schen der GmbH und ihrem Gesell­schaf­ter. Dies gilt auch, wenn meh­re­re Gesell­schaf­ter an der GmbH betei­ligt sind und zumin­dest einer bei der Ver­ein­ba­rung zwi­schen der GmbH und der ihm nahe­ste­hen­den Per­son mit­ge­wirkt hat. Ist ein Gesell­schaf­ter über eine Mut­ter­ge­sell­schaft an der GmbH betei­ligt, gel­ten die Rechts­grund­sät­ze ent­spre­chend, wenn er an dem Ver­trags­ab­schluss zwi­schen der GmbH und der ihm nahe­ste­hen­den Per­son mit­ge­wirkt hat.

In die­sen Fäl­len kann jedoch der Gesell­schaf­ter selbst Schen­ker i.S. des § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG sein. Ob tat­säch­lich eine Schen­kung zwi­schen dem Gesell­schaf­ter und der nahe­ste­hen­den Per­son vor­liegt, hängt von der Aus­ge­stal­tung der zwi­schen ihnen bestehen­den Rechts­be­zie­hung ab. Hier sind ver­schie­de­ne Gestal­tun­gen denk­bar (z.B. Schen­kungs­ab­re­de, Dar­le­hen, Kauf­ver­trag). Hier­über hat­te der BFH in den Streit­fäl­len nicht abschlie­ßend zu ent­schei­den.

Dr. Gie­se­ler emp­fahl, dies zu beach­ten sowie ggfs. recht­li­chen und steu­er­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. auch auf die bun­des­weit mehr als 700 auf Erbrecht, Erb­schaft­steu­er­recht und Schei­dungs­recht spe­zia­li­sier­ten Rechts­an­wäl­te und Steu­er­be­ra­ter der DANSEF Deut­sche Anwalts-, Notar- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für Erb- und Fami­li­en­recht e. V., www.dansef.de ver­wies.

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